San Remo, Côtes d’Azur und Provence

Wir hatten vor, von Florenz an den Gardasee zu fahren und anschliessend in Südtirol etwas zu wandern. Doch die Wetterprognosen für den Alpenraum verheissen kühle und regnerische Verhältnisse. Auch für den Norden Italiens sieht es nicht besser aus, selbst für Rom ist mit Regen zu rechnen.

San Remo

Das einzige für uns infrage kommende Gebiet scheint die französische Riviera zu sein, also machen wir uns auf den Weg und fahren immer an der Mittelmeerküste entlang nach Westen. Wer glaubt, dies sei eine reizvolle Strecke wird getäuscht: Die meiste Zeit fährt man durch Tunnels – sicherlich mehr als 100 Stück – oder hinter meterhohem Leitplanken und Windschutzzäunen.

In San Remo landen wir auf einem Campingplatz (Villagio dei Fiori), der gut gelegen und relativ ruhig ist. Es gibt sogar einen Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse.

Der Platz liegt unmittelbar am Mittelmeer, allerdings gibt es keinen Strand, sondern nur Felsen und einen Zaun. So muss der Blick von einer Gefängnissinsel sein. Es stört uns nicht.

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Wir fahre auf dem gut genutzten Radweg nach San Remo. Auffällig viele ältere Herren mit Rennrad sind unterwegs.

Radweg auf alter Bahntrasse

Im Zentrum von San Remo stellen wir die Räder ab und gehen durch die Stadt. Es herrscht reger Betrieb. Viele schicke Geschäfte und enorm viele Vespas.

Vespamania

Wir betreten die Altstadt und sind plötzlich allein: enge Gassen, es geht steil bergauf. Tunnel  und dunkle Gänge, die Beleuchtung am hellen Tage erfordern. Hinweistafeln informieren, dass diese Häuser schon seit dem Mittelalter stehen.

La Pigna, die Alstadt von San Remo

La Pigna, die Alstadt von San Remo

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Wir haben schon viele Altstädte gesehen, aber diese ist besonders: keine Touristen, keine Souvenirläden, kein Dreck.

Das Kontrastprogramm, zur Altstadt finden wir weiter unten: luxuriöse Gärten wie an der Villa Ormond, wo über internationale Meschenrechte konferiert wird. Protzjachten und – nicht zu übersehen – das Casino.

Casino San Remo

Kalt in Digne

Nach ein paar faulen Tagen in San Remo, wollten wir mal wieder was Anderes sehen. Aufgrund des guten Wetterberichts entschieden wir uns, in die Berge zu fahren, nach Digne-les-Bains in Frankreich. Auf dem Weg machten wir eine Stadtrundfahrt in Monte Carlo (kein Parkplatz gefunden) eine Einkaufstour in Nizza (Fahrradspiegel bei Decathlon).

In Digne-les-Bains suggerierte der Name des Campingplatzes (Eau Chaude) Wärme. Aber der Ort hielt nicht, was dieser Name versprach: es war dunkel, feucht, windig und saukalt. Am nächsten Morgen war unser vor dem Auto platziertes Geschirr mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Das Nutella hatte seine Streichfähigkeit eingebüßt. Das Ganze auf nur 500 m Meereshöhe, in Südfrankreich im Oktober.

Gut: Digne-les-Bains war ein Fehler. Wir fahren zurück ans Meer und hoffentlich ins Warme.

Sanary-sur-Mer

In Sanary-sur-Mer haben wir recht schönes Wetter. Deutlich besser, als um uns herum zu ND anderswo.
Also genießen wir die letzten schönen Tage im Süden, bevor wir uns dann auf den Weg nach Maastricht machen.

Wir folgen der Empfehlung der Campingbüros und fahren den Radweg von Sanary nach Le Brusc. Es geht die Küste entlang, durch einige Ferienorte. Immer noch sind etliche Urlauber unterwegs. Vor Le Brusc liegen zwei Inseln, Le Gaou und Isle des Embiez. Letztere ist in Privatbesitz und kann nur mit dem Boot erreicht werden. Le Gaou ist über eine Brücke zu betreten. Es gibt tolle Felsformationen und viel kleine Buchten.

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Mt. Ventoux

Wir verlassen Sanary und das Mittelmeer und machen uns auf den Weg nach Norden. Obwohl der Himmel bedeckt ist, möchten wir endlich mal den Mont Ventoux aus der Nähe sehen. Wir schrauben uns über die Südroute innerhalb von 13 Kilometern auf fast 2000 m Höhe und haben Glück, denn wir können an einigen Stellen durch die Wolkendecke sehen.

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Aber trotzdem: das Wetter ist schlecht. Es regnet, es ist windig und es ist saukalt. Erstaunt stellen wir fest, dass es hier oben sogar Skilifte gibt.

Zurück im Tal fahren wir durch Weingärten nach Avignon. Wir checken auf dem Campingplatz „Pont de Avignon“ ein und machen einen Spaziergang zum Papstpalast (großzügiger Umgang mit dem Geld zeichnetet die Kirche schon im Mittelalter aus) und durch den Parc du Rocher des Doms.

Auf dem Rückweg erstehen wir einen kleinen Olivenbaum: „Petit Olivier“.