Gartenreich Wörlitz und Elbauen

Mal wieder durchkreuzt das Wetter unsere Urlaubspläne: für den ganzen Süden – beginnend mit dem Allgäu und nicht endend mit der Mittelmeerküste – hat der Wetterbericht Regen, Schnee und andere ungemütliche Dinge im Angebot. Das beste Frühlingswetter wird für den Nord-Osten angesagt. Aus dem Norden kommen wir grade, also ab in den Osten!

Gartenreich Wörlitz

Das Gartenreich Wörlitz sollte es sein. Es steht schon länger auf unserer Liste, ein weitläufiges Gebiet in der Nähe der Elbe. Parks, Gärten, Schlösser, alles als UNECO Weltkulturerbe geadelt. Am besten erfahrbar mit dem Rad.

Da wir keine geeigneten Campingplätze inmitten dieses Gebiets kennen, wählen wir eine Ferienwohnung in Wörlitz, mitten im Zentrum des Geschehens. In drei Stunden erreichen wir sie von Hofgeismar aus. Madam ist nicht zu Hause, das Wetter ist bestens, also erkunden wir den Wörlitzer Park.

Der Wörlitzer Park ist eine tolle Mischung aus freier Natur (Elbauen), Parklandschaft, Schlössern, Tempeln und Fantasiebauten, ähnlich wie der Park Wilhelmshöhe in Kassel nur ganz anders. Keine Berge, dafür fünf Inseln, die mit handbetriebenen Fähren erreichbar sind.

Im Küchenhaus finden wir einen schönen Platz wo wir im Freien deftige Landesküche (Krautwickel) angereichert mit ausländischen Spezialitäten (Marillenknödel) genießen.

Die Ferienwohnung entpuppt sich als aufgemotzte Datsche im Garten eines Einfamilienhauses. Überkomplett ausgestattet, nicht ganz unser Geschmack aber OK. Der größte Teil des Gartens wird durch den Stolz der Hausherrin beherrscht: ein überdachter Pool in Gewächshausoptik. Für die Geräuschkulisse sorgen Hühner bzw. Hähne zur hahnentypischen Uhrzeit. Am Ende des zweiten Rundgangs durch den Park der uns auch zum künstlichen Vulkan auf der Insel Stein führt, versuchen wir in einer der zahlreichen Gasthäuser ein Abendbrot zu bekommen. Das ist zu dieser Zeit schwierig: ab 18:00 Uhr ist Feierabend. Im ‚Wörlitzer Hof’ klappt es dann, wenn auch mit unangemessen steifer Bedienung.

Kraftwerk und Biber

Wir nehmen die Räder und fahren auf guten Wegen nach Vockerode. Dort steht ein stillgelegtes Kraftwerk, ein riesiges Backsteingebäude. Von Vockerode geht es durch den Wald in Richtung Oranienbaum vorbei an Deutschlands einziger Biberfreianlage.

Also die Biber sind nicht frei sondern großräumig eingezäunt, aber es ist eben ein Freigehege und die Nager leben in ihrer natürlichen Umgebung. Leider war die Anlage geschlossen (Vorsaison), aber auch vom frei zugänglichen Beobachtungspunkt aus konnte man keine Biber sehen. Dafür allerdings reichlich Spurern ihrer Artgenossen, die wirklich frei sind: Biberdämme, kegelförmig abgenagte Baumstämme. Auch ohne Biber, war dies eine tolle Radstrecke.

Oranienbaum

Die Stadt Oranienbaum wird wegen ihrer barocken, rechtwickligen Stadtanlage gerühmt. Im Zentrum ein riesiger Marktplatz mit Orangenbaumbrunnen (die Gründer stammen tatsächlich von den Oranjern ab, denen auch der holländische Fußballer ihre orangenen Trikots verdanken). Der Sanierungsbedarf ist noch sehr hoch, das Schloss erhält gerade die dringend notwendige Generalüberholung und auch andere in den Werbeunterlagen hervorgehobenen historischen Bauten sind teilweise mit Brettern vernagelt und warten auf den neuen Anstrich.

Auffällig viele Projekte (auch der Europaradweg R1, den wir teilweise nutzen) werden von der EU gefördert. Merkwürdig, dass auchgerechnet in dieser Gegend, die seit Jahrzehnten vom Geld anderer Leute lebt, Parolen wie ‚Wir sind nicht das Sozialamt Euopas‘ oder ‚Geld für Oma, nicht für Sinti und Roma‘ als Parolen auf Plakaten zur Europawahl prangen.

Also Oranienbaum braucht noch etwas Zeit, wir fahren noch 7 Kilometer weiter auf dem bereits erwähnten R1 nach Ferropolis.

Ferropolis

Ferropolis (Stadt aus Eisen) ist ein Industriemuseum und eine Veranstaltungsarena für 25 000 Leute. In einer stillgelegten Braunkohlenzeche bei Gräfen-Hainichen hat man einige Großgeräte vor dem Schrottplatz bewahrt und zur Besichtigung freigegeben. Gigantische Schaufelradbagger und Absetzer sind um ein Y_förmiges Areal herum platziert. Sie bilden bei Konzerten und anderen Großveranstaltungen eine gigantische Kulisse und können in den übrigen Zeiten von Besuchern bewundert und teilweise sogar bestiegen werden.

Nach dem Rundgang durch Ferropolis fahren wir zurück nach Oranienbaum und dann nach Wörlitz. Dort werden wir von den Hühnern begrüßt, die nicht nur morgens rumlärmen. Wenn man es positiv sehen will/muss: ein gutes Zeichen, denn „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…..“. Naja und das tolle Wetter soll ja auf jeden Fall bleiben.

Wittenberg

Die Lutherstadt Wittenberg verbirgt bei unserem Besuch sich bzw. ihre Sehenwürdigkeiten hinter Baugerüsten und Abdeckplanen. Alles wird hübsch gemacht für das 500-jährige Jubiläum der Reformation im Jahr 2017.

Wir kamen mit dem Rad von Wörltitz nach Wittenberg. Es ging durch weite Elbauen, riesige Wiesenflächen ohne Haus, Strommast oder ähnlichem. Nur der Radweg, kein Autoverkehr, einfach herrlich.

In der Stadt finden wir viele alte Häuser und auch alte Geschäfte. Bei einigen scheint die Zeit seit 50 Jahren stehen geblieben zu sein. Endlich finde ich Filzpantoffeln mit Filzsohle.
Wir verlassen Wittenberg und folgen dem Elberadweg nach Coswig, teilweise geht es an der befahrenen Strasse entlang, teilweise wieder durch weite Elbwiesen.

Coswig

In Coswig, wo das prächtige Schloss so langsam verfällt, gibt es eine Gierfähre: nur durch die Strömung angetrieben, bringt sie uns auf das andere Elbufer, wo das Hotel ‚Elbterassen Wörtlitze Winkel‚ Zimmer mit prächtigem Blick auf Coswig, den Fluss und das Geschehn an der Fähre bietet. Leider ist kein Zimmer frei, andernfalls wären wir dort gerne am nächsten Tag eingezogen.

Auf der Coswiger Alle geht es durch die Elbwiesen zurück nach Wörlitz. Über sechs Kilomenter sind es vom Elbufer bis zu dem Deich, der Wörtlitz und die Parkanlagen vor Hochwasser schützen soll. Unvorstellbar, dass diese riesige Fläche komplett unter Wasser stehen kann.

Waren/Müritz

Zum Schluss unserer Frühjahrsreise sollte es nach Wismar an die Ostsee gehen, doch wir ändern unsere Pläne kurzfristig, da es zu viele Staus in Richtung Norden gibt. So landen wir dann man wieder in Waren an der Müritz. Der Campingplatz Ecktannen ist eine gute Ausgangspunkt für Touren in den Müritz-Nationalpark.

Mit dem Wetter haben wir immer noch Glück: während große Teile von Europa kalt und regnerisch ist, haben wir strahlendes Sonnenwetter, allerdings bei deutlich kühleren Temperaturen, als bisher.

Mit dem Rad fahren wir den ganzen Tag durch den Nationalpark, sehen Kraniche, keine Adler und sehr viel schöne Landschaft. Zum Schluss bummeln wir noch in Waren/Müritz, das nach unserem letzten Besuch vor ca. 20 Jahren nicht wieder erkennen.