Erste Schritte in Den Haag

Unser Kind ist nach Den Haag gezogen. Naja, so richtig eingezogen ist sie noch nicht: sie hat eine Wohnung, dort stehen auch schon ihre Möbel und Umzugskartons. Aber das ist es auch. Also fahren wir zusammen nach Holland, um den Umzug zu vollziehen und natürlich auch, um die neue Umgebung kennen zu lernen.

Die Bezeichnung ‚Holland‘ ist in diesem Fall sogar korrekt, denn Den Haag liegt in der Provinz ‚Zuid Holland‘ die zusammen mit ‚Nord-Holland‘ in den Augen vieler unserer Nachbarn den wichtigsten Teil der Niederlande bilden, weshalb sie beim Fußball auch immer ‚Holland, Holland‘ rufen (Parallelen zu ‚Bayern‘ halte ich aus mehreren Gründen für unangemessen).

Die ersten Nächte verbringen wir auf dem Campingplatz „Duin Horst“. Er ist nördlich von Den Haag gelegen und mit dem Fahrrad zu erreichen. Das  Abendessen gibt es in Form einer Pizza in der Innenstadt. Unserer Räder parken in einem kostenlosen bewachten Fahrradparkhaus. Guter Auftakt!

Am nächsten Tag erkunden wir mit den Rädern das Umland und sind erstaunt, wie schnell wir an der Nordsee sind. Nur fünf Kilometer sind es vom Stadtzentrum bis nach Scheveningen, dem Strand von Den Haag.

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Die Bebauung in Scheveningen gehört zum hässlichsten, was ich bisher an Strandpromenade gesehen habe. Der Strand selbst ist gigantisch breit. Es bläst ein kräftiger Sturm.

Beim Besteigen des Bungee-Turms habe ich Mühe, mich festzuhalten. Meine Mütze sucht das Weite, sie segelt von dannen. Da wo die Promenade endet, beginnt ein Dünengebiet. Toll, man muss nur der Promenade den Rücken zukehren.

Am dritten Tag radelt wir durch einen der vielen Parks der Stadt ins nördliche Dünengebiet. Nordsee pur! Man denkt, man sei auf Sylt! In der Ferne die Hochhäuser von Den Haag. Mittendrin in den Dünen ein Pfannkuchenhaus mit reichlich Wespen.

In Wassenaar zu wohnen, muß man sich leisten können. Eine Prachtvilla reiht sich an die nächste. Oft sieht man nur ein Eingangstor und einen großen Park. Dem Vernehmen nach wohnte hier auch der Holländische König, als er noch Prinz war. Am Abend gibt es einen gewaltigen Regenschauer, der weite Teile der Campingwiese unter Wasser setzt.

Am nächsten Tag stehen Großeinkäufe an: ein original Hollandrad für den Personentransport und eine Schlafcouch für die Gäste. DIe Couch lassen wir klugerweise liefern: um 21:00 Uhr abends werden fünf gewaltige Pakete über das enge, steile Treppenhaus in die Wohnung gebracht.  Zum Schlafen müssen wir aber noch ein letztes Mal zum ‚Dünenhorst‘ radeln.

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Am Folgetag bauen wir die Couch auf, kaufen eine Waschmaschine und freuen uns darüber, daß diese nicht nur durch das enge Treppenhaus sondern auch millimetergenau in die vorgesehene Abstellkammer passt. Es folgt die erste Nacht auf der Schlafcouch. Leider wird die Nachruhe durch einen Wassereinbruch im Dach gestört. Es tropft! Holland und Wasser, das geht zusammen.

Bemerkenswert sind die Parkregeln: alle Parkplätze sind kostenpflichtig. Manche immer, manche nur von 18:00 bis 24:00 Uhr. Die Kosten sind mit 1,70 € pro Stunde heftig, da kommen für einen Abend schon mal 10 € zusammen. Bezahlen ist unbedingt zu empfehlen, sonst droht der Abschleppwagen oder die Parkkralle. Die angenehme Seite: es gibt immer reichlich freie Parkplätze und als Fußgänger ärgert man sich nicht über zugeparkte Wege. Und: Anwohner können eine Gästekarte erwerben, die ein ganzes Jahr gilt. Na also!

Am Wochenende bewegen wir uns wieder wie Touristen. Am Geburtstag eine lange Radtour durch das südliche Dünengebiet bis nach Kijkduin und zurück durch einige Parks.

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Am Sonntag dann ein Stadtbummel. Ab Mittag sind alle Geschäfte geöffnet, die Stadt ist voll mit Menschen, überall gut gefüllte Straßencafés. Wir belegen zwei Tische, die Wirtin meint, einer reiche doch. Als wir dann Pfannkuchen bestellen ändert sie ihre Meinung.

Abends dann radelt das Kind „kurz zum Meer“, baden. Wohl dem, der an so einem Ort wohnen und arbeiten darf. Unsere ersten Schritte in Den Haag machen Lust auf mehr. Zum Glück gibt es ja die Schlafcouch.

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