Asiago und mehr

8.6. Donnerstag, Tannheim

Unser primäres Reiseziel heißt Asiago. Die Hochebene (ca. 1000m)  in den italienischen Alpen wird gerühmt für ihre Wandermöglichkeiten, das angenehme Klima und den gleichnamigen Käse. Genaugenommen handelt es sich um sieben Gemeinden die sich auf dieser Hochebene befinden. Zu Zeiten des Gebirgskrieges zwischen Italien und Österreich (1916-1917) war dies ein schwer umkämpftes Gebiet. Ein gigatisches Monument erinnert an diese Zeit.

Kurz vor Reisebeginn erfahren wir, daß am Wochenende unserer Anreise ausgerechnet in Asiago die italienischen Meisterschaften im Straßenradrennen stattfinden sollen. Wir befürchten Fülle (wie sich herausstellt: zu Recht) und wollen die Zeit an einem anderen Ort überbrücken. Uns kommt uns das Tannheimer Tal und der Campingplatz ‚Alpenwelt‘ in Kienzerle in den Sinn. Nicht zuletzt wegen des guten Essens erinnern wir uns gerne an unseren letzten Aufenthalt dort im Sommer 2014.

Doch leider wurde der Café- und Restaurantbetrieb eingestellt. Das Betreiberpaar hat eine kleine Tochter bekommen und möchte genügend Zeit für das Kind zur Verfügung haben. So müssen wir zum Essen nach Mannheim radeln.

Kuhgeläut mischt sich mit dem Blubbern endloser Motorradkolonnen, die zum Vergnügen durchs Tal fahren. Dieses Vergnügen ist einseitig ?, dennoch genießen wir das Ambiente und den seit Langem den ersten Abend in den Bergen.

9.6. Freitag – Tannheim

Mit den Rädern fahren wir nach Tannheim und dann zum Vilsalpsee. Der beliebte Rundweg um den See ist seit Jahren wegen eines Feldsturzes gesperrt. Trotzdem setzen sich viele Leute (eigentlich alle) über das Verbot hinweg. Es herrscht ganz schön viel Betrieb: die Schulen in Bayern und Baden-Würtemberg haben Pfingstferien. Trotzdem gefällt es uns (mal wieder) sehr im Tannheimer Tal.

Hinter der bewirteten ‚Vilsalpe‘ treffen wir nur noch wenige Leute, wir gehen den Weg bis zum Wasserfall. Es wird eine ziemliche Kraxelei, teilw. geht es durch Bachläufe. Früher waren die Berg irgendwie einfacher zu besteigen… Zur Belohnung finden wir auf der Wiese blühenden Enzian und in der Vilsalpe leckere Leberknödelsuppe und Apfelstrudel.

10.6. Samstag – Tannheim

Am zweiten Tag wollen wir auf der unserem Platz gegenüber liegenden Seite des Tals zur Älple-Alm aufsteigen. Doch an der entscheidenden Stelle verkündet ein Schild, der Weg sei wegen eines Felssturzes gesperrt und die Almhütte geschlossen. Notgedrungen suchen wir eine Alternative und finden einen Weg, der am Hang bis nach Zöblen führt und neben reichlich Kühen schöne Ausblicke ins Tal bietet.

11.6. Sonntag – Tannheim

Heute wollen wir es wissen und eine der schönsten Wandertouren Tirols(?), Österreichs(?), der Welt(?) machen: die 3-Seen-Tour.

Wir fahren mit der Bahn aufs Neunerköpfle und genießen der Blick bis ins Flachland. Wir sind nicht allein, es ist Sonntag und das Wetter ist prima. Beim Fotografieren verliere ich meine Brille (Spoiler: ich bekomme sie am nächsten Tag wieder).

Der Weg bietet fantastische Ausblicke in alle Himmelsrichtungen und über die Wanderung verbreitete Lob ist berechtigt. Einige Passagen sind etwas schwierig (Schnee, eng, steil, andere Leute), aber unsere alten Gelenke halten es aus. Besonders spektakulär ist die Aussicht auf die Landsberger Hütte und zwei der drei beiden Seen hat, die der Wanderung ihren Namen geben.

Nach üblem Gekraxel (nass, schmal, steil, steinig) rasten wir in der Oberen Traualpe (Hütte) und steigen dann zum Vilsalpsee ab, von wo uns ein Touristenzug (Model ‚Toppi‘) zurück zur Liftstation bringt. Zur Belohnung gibt es lecker Essen in der Dorfstube in Tannheim (so wie vor ca. 30 Jahren schon).

12.6. Montag – Reisetag

Wir wollen weiter nach Asiago. Zunächst fragen wir an der Liftstation nach meiner verlorenen Brille und siehe da: jemand hatte sie gefunden und abgegeben. Manchmal ist es von Vorteil, wenn ein paar mehr Leute in der Natur rumlaufen.

Da wir genügend Zeit haben, entscheiden wir uns gegen die Brennerstrecke und fahren durch das Ötztal über das Timmelsjoch (2509 m) nach Südtirol. Das Passeiertal empfängt uns mit Parolen („Freiheit für Südtirol“, „Südtirol ist nicht Italien“). Egal ob italienisch oder südtirolerisch: wir kaufen in Sankt Martin mal wieder Schinken und Knödel ein.

Timmelsjoch

Bei Trentino geraten wir in den Feierabendverkehr und entsprechende Staus. Wir wählen eine kurivge Alternative, die uns auf die Hochebenen führt. Wir fahren durch menscheleere Landschaften, die teilweise skandinavisch anmuten. Nur selten begenet uns ein anderes Auto, es gibt viel Wald.
Spät kommen wir in Asiago an. Am Campingplatz  „Ekar“ ist man sehr freundlich, aber es gibt kaum Infomationen über das touristische Angebot. Dafür offenbar viele Dauerkamper. Sie haben ihre Wohnwagen mit massiven Holzverschlägen winterfest gemacht. Aber zur Zeit ist der Platz total verwaist, das Restaurant ist geschlossen.

13.6. Dienstag – Asiago

Mit dem Rad fahren wir hinab nach Asiago. Es ist ein netter Ort mit leicht kitschig wirkendem Rathaus und vielen Geschäften. Leider kommen wir wieder mal zur Mittagszeit und alles schließt. Das Touristenbüro ist sogar für drei Tage geschlossen, also bleibt die geliehen Karte vom Campingplatz neben dem Handy unsere einzige Navigationhilfe.

Auch ohne Hilfe finden wir einen alten Bahnhof. Die Bahnstrecke wurde still gelegt und dient nun als Fahrradweg. Ursprünglich hatte diese Bahn große Bedeutung. Sie führte von Rochetto nach Asiago und ermöglichte so den Zugang aus der Ebene in das hochgelegene und unzugängliche Plateau.


Auch das Mahnmal für den Gebirgskrieg ist nicht zu übersehen. Wir besteigen den Hügel mit dem weit sichtbaren Monument. Es sollen die Gebeine von über 50 000 gefallenen Soldaten und diesem Mahnmal liegen.

An der Piazetta degli Alpini finden wir ein nettes kleines Lokal gleichen Names und lassen uns Gnocchi mit Asiagokäse servieren: ein Köstlichkeit!

14.6. Mittwoch – Asiago

Wir wollen mit dem Rad die Hochhebene umrunden und scheitern an der Navigation: wir haben immer noch keine Karte und es gibt zu viele verschiedene Wege, um sich nur mit dem Handy zurechtzufinden.

In der Käserei Pennar kaufen wir ein  Pfund jungen Asiago, der Käse schmeckt cremig lecker, am Besten ohne Brot.

Käserei Pennar. Hier wird Asiago gemacht.

Am späten Nachmittag beginnt es zu regnen. Zum Glück ist das Restaurant am Campingplatz geöffnet.  Die Preise für Essen und Trinken sind ungewöhnlich niedrig. Keine Pizza kostet mehr als mehr als 8€ , 1/2 l prickelnder Faßwein aus dem Krug. kostet 3. Das Brötchen kostet gar nur 20 Cent (Es könnte gerne das dreifache sein, wenn es denn nach irgendetwas schmecken würde).

15.6. Donnerstag – Asiago

Nachdem wir den Tag faul auf dem Campingplatz verbracht haben, machen wir am Nachmittag eine kleine Wanderung zum Cima Ekar, dem Berg hinter unserem Haus. Es geht ziemlich gerade bergauf und auch wieder hinunter. Oben gibt es ein Observatorium ? der Universität Padua. Die Sternengucker schätzen die geringe Lichtverschmutzung auf der Hochebene: es wird wirklich dunkel.

16.6. Freitag – Asiago

Das Wetter im Alpenraum, Norditalien und Slowenien ist etwas problematisch: Wetter Online berichtet über häufige Gewitter, Regentage oder Temperaturen über 30 Grad. Hier in Asiago ist es hingegen trocken, sonnig und nicht zu heiß; wir können uns nicht durchringen an einen anderen Ort zu fahren.

Leider muß man für Unternehmungen immer eine Anfahrt mit dem Rad oder dem Auto an Kauf nehmen, wobei diese Anfahrt durchaus anstrengend sein kann.

Für unsere Wanderung zum Monte Cengio fahren wir mit dem Auto ans andere Ende der Hochebene. Bei der Anfahrt merken wir, wie weitläufig es hier ist und wie wenig wir bislang von der Hochebene gesehen haben.

In der Wanderkarte ist ein Wanderweg von Treche Conca zum Monte Cengio beschrieben.  Am Einstieg müssen wir feststellen, daß es viele Wanderwege gibt, aber ausgerechnet der aus unserer Karte fehlt. Die Siete Commmuni, wie sich die Gemeinden hier nennen, könnten im Bereich des Tourismus ihre Gemeinsamkeit gerne etwas vertiefen. Wir versuchen wir es mit Handynavigation, was reichlich gut klappt.

Auf dem Weg sehen wir viele leer stehende Ferienhäuser. Keine protzigen Villen sondern solide schöne Häuser und Grundstücke, oft weit ab von der nächsten Straße. Ein großer Teil unseres Weges führt über die Autostraße zum Monte Cengio, aber das ist kein Problem: nur ein einziges Auto passiert uns während des Aufstiegs.

Findet Friedel!

Der Monte Cengio war im Gebirgskrieg eine schwer umkämpfte italienische Stellung. Es gibt in den überhängenden Fels gehauene Maultierpfade und Tunnel, die nun von Wanderern genutzt werden können. Ein spektakuläres Erlebnis. Leider verhindert diesiges Wetter den Blick ins Tal, dennoch ist es sehr beeindruckend. Obwohl es sehr gefährlich aussieht sind die Wege breit, fest, gesichert und problemlos zu begehen.

Bei YouTube gibt es ein 3 Minuten Video, welches den Weg bei besseren Sichtverhältnissen zeigt: Link zu Youtube.

17.6. Samstag – Asiago

Das Wochenende verbringen wir mit Faulenzen. Einfach nur sitzen und wenig bewegen. Bis Mittag treffen noch weitere Wohnmobile ein, auch die Dauercamper öffnen ihre Verschläge. Es ist deutlich mehr los auf dem Platz.

Ich sehe ich einen Dackel mit Hinterachse.  Mit den Vorderbeinen läuft er, die Hinterbeine hängen in der Luft und das Hinterteil war eine Konstruktion befestigt, die zwei Räder hatte (Google „Hunderollstuhl“). Morgen verlassen wir Asiago, hier noch ein paar Bilder:

19.6. Montag – Mal kurz zum zum Mittelmeer

Trotz der angekündigten Hitze (es werden 34 Grad erwartet)  wollen wir mal ‚kurz ans Mittelmeer‘. Wir verlassen die ‚Altipiano de Asiago‘ und schrauben uns auf 15 Kehren ins Tal. Sofort wird es warm und südländisch: Wein, Oliven, Oleander…

Die Fahrt ist wenig reizvoll. Einkäufe erledigen wir bei Famila (!). Ziel ist Sistiana in der Bucht von Triest. Sistiana war zu Kaiserszeiten unter dem Namen ‚Seestein‘ Stützpunkt der österreichischen(!) und zu Führers Zeiten Stützpunkt der deutschen Marine.

Zwischen Autobahn und Meer gelegen finden wir mit dem Campingplatz  Camping Village Marepineta eine schöne Anlage vor. Das Meer liegt  allerdings ca. 100 m unter uns. Wir bekommen einen schattigen Platz mit Meerblick. In der Ferne sieht man das Schloß Miramare und die Stadt Triest. Vor dem Platz verläuft der Rilkeweg. Der deutsche Poet, der mit diesem Weg geehrt werden soll, verfaßte einen Teil seiner berühmten Duineser Ellegien (vgl. Loriot/Heinz Meyer: ‚Ich muß die Nase meiner Ollen an jeder Grenze neu verzollen‘) auf dem nahegelegenen Schloß Duino.

Der Weg des Poeten ist uns aber zu steinig und die Hitze lähmt uns. In der Nacht wird es nicht ruhig: Autobahn von rechts, Poolbespaßung von links und später noch Beachbespaßung von unten. Wie geplant, reisen wir  am nächsten Tag weiter.

20.6. Dienstag – Von Triest nach Kranjska Gora

Wenn wir schon einmal so weit östlich sind, wollten wir Slowenien einen Besuch abstatten. Das letzte Mal, als ich dort war, hieß es noch Jugoslawien.

Der Fluß Isonzo, der auf Slowenisch Soĉa heißt, verläuft ungefähr in Nord-Süd-Richtung und bildete im hier allgegenwärtigen Gebirgskrieg den östlichen Teil der Front, die sich im Westen bis zum Stilftser Joch ersteckte. 12 Isonzo-Schlachten verleihen der Gegend finsteren Ruhm. Der Fluss markiert heute ungefähr die Grenze zwischen Italien und Slowenien und und bestimmt auch Verlauf der slowenischen Landstraßen 103 und 102 denen wir auf unserem Weg in die Julischen Alpen folgten. Die Straßen sind leer es gibt kaum Autos, gelegentlich ein paar Wanderer oder Kanusportler. Es gibt viel Wald, die Berghänge sind ungewöhnlich steil. Das Wasser des Flusses wird durch das helle Gestein des Flußbetts besonders klar, tiefere Passagen leuchten grün. Mittendrin der Triglav (2864 m), das Zentrum des gleichnamigen Nationalparks.

Bei Kobarid verlassen wir die Straße 102 und setzten uns über die beharrlichen Proteste unseres Navigationsgerätes hinweg (später erfahren wird, daß die Straße bis vor wenigen Tagen gesperrt war). Wir befinden und auf lediglich 232 m Meereshöhe, auch deswegen wirken die über 2000 m hohen Berge mit ihren steilen Felswänden besonders beeindruckend. In zahlreichen, teilweise sehr steilen Kehren geht es nun von 232 m auf den 1611 m hoch gelegene Pass Prelaz Vrŝiĉ. Zum Glück hält sich der Verkehr nach wie vor in Grenzen. Hin und wieder nervende Motorradschwärme. Bussen, Wohnwagen etc. ist die Befahrung der Strecke verboten.

Hinter dem Pass geht es dann auf über 20 Kehren hinab auf 800 m nach Kranjska Gora. Kranjska Gora ist liegt in einer Sportregion. Regelmäßig werden hier internationale Skirennen ausgetragen, in der Nachbarschaft liegen das Skiflugmekka Planica und die Biathlonstrecken von Pokljuka. Jetzt im Sommer bestimmen Wanderer und Radfahrer das Bild. An der Sporthalle bekundet ein Logo, daß der nordhessische Handballclub MT Melsungen hier ein Trainingslager durchführte.

Etwa 5 km östlich liegt im Savetal das Dorf Gozd Martuljek. Hier finden wir den nagelneuen Campingplatz Špik. Es gibt ein tolles Bergpanorama und viele schattige Plätze mit schönen Wiesenuntergrund.

21.6. Mittwoch – Kranjska Gora: Sommeranfang im Wintersportort

Wir nehmen uns nicht viel vor, denn für Mittag wurden Gewitter angekündigt. Mit dem Rad wollen wir von unserem Platz in Gozd Martulhak nach Kranjska Gora und weiter zu den Skisprungschanzen von Planica fahren. Wir nutzen den tollen nagelneuen Radweg, der auf einer alten Bahntrasse verläuft. In Kranjska Gora gibt es viele Restaurants und Geschäfte. Man ist auf einiges eingerichtet. Wir schreiben Postkarten am Tourismusbüro, erstehen einen Rucksack und kaufen Lebensmittel.

Es ist sehr warm und wir sind recht schlapp, sodaß wir auf die Weiterfahrt nach Planica verzichten und zurück zu unserem Platz fahren. Das Gewitter wird zunächst auf den frühen Abend verschoben und dann in Regenwetter gewandelt. Um halbsechs kommt es dann doch.

22.6. Donnerstag – Kranjska Gora / Planica

Mit dem Rad fahren wir wieder auf der alten Bahntrasse nach Kranjska Gora und weiter nach Planica. Der Radweg ist super zu fahren, man tut hier eine Menge für die Touristen. Es geht ständig leicht bergsauf, die letzen Kilometer nach Planica folgen wir der Straße. Es ist sehr warm und als wir im Talkessel der Sprungschanzen angekommen, suchen wir zunächst den Schatten um uns etwas zu erholen. Nicht die Steigung stellt das Problem dar sondern die hohen Temperaturen.

Bildergalerie (Klick zum Blättern)

Am Ende des Tals beginnt ein Weg zum Talschluss, der sehr gelobt wird. Aber wegen der Hitzen lassen wir uns nicht darauf ein. Das Nordic-Center, wie die Anlage genannt wird ist ein beeindruckender Sportkomplex. Dabei bekommt man vieles gar nicht zu Gesicht, weil es unterirdisch angelegt ist. So befindet sich unter der Erde zum Beispiel eine Skihalle, in der man auch in Somner auf einer 800 m langen Loipe trainieren kann, die über drei Etagen führt. Ebenso gibt es dort einen Windkanal zum Testen der Aerodynamik von Skispringern. Oberirdisch gibt es sieben Schanzen unterschiedlicher Größe, alle für das Sommertraining ausgestattet. Nur die berühmte Skiflugschanze kann im Sommer nicht zum Skispringen genutzt werden. Dafür gibt es aber eine Seilbahn, mit der wagemutige Touristen für 25€ einen Skiflug simulieren können. Leider was die Anlage geschlossen. Wie das aussieht, kann man aber bei Youtube bewundern:

24.6. – Kranjska Gora: Zwei Wasserfälle und Ingos Hütte

Gegenüber unseres Campingplatzes beginnt ein Wanderweg, der zu zwei schönen Wasserfällen und einer bewirteten Hütte führt. Der Weg ist als ‚leicht‘ eingestuft, genau das was wir heute gerne machen würden. Unsere Platznachbarn waren gestern dort und bitten uns, auf der Hütte zu fragen, ob man dort einen Babystrampler gefunden hat, den sie vermissen.

Der Weg verläuft angenehm schattig durch den Wald, es gibt viele wilde Alpenveilchen. Noch vor dem ersten Wasserfall wird es schmal und wir gehen durch eine enge, tiefe Schlucht. Plötzlich lösen sie mehrere große Steine aus der Felswand und knallen wenige Meter vor uns in den Fluß. Was für ein Schreck!

Wir überwinden die kritische Stelle möglichst schnell und kommen zum ersten Wasserfall. Da wir auf jeden Fall zur Hütte wollen, um nach dem Strampler zu fragen, gehen wir weiter. Mit dem ‚leichten‘ Weg ist es jetzt vorbei. Es wird sehr steil und anstengend.

Die Hütte ‚Pri Ingotu‘ liegt wunderbar auf einer Bergwiese und ist umringt von steilen Felswänden. Gekocht wird im Freien, bzw. unter einem zusammengezimmerten Holzdach. Es gibt Gemüsesuppen, Kräutertees, Sauerkraut mit Wurst und – was man in dieser ursprünglichen Umgebung nicht vermutet: mehrere Sorten Bier. Die Hütte hast sogar eine moderne Webseite. Nur vom Babystrampler keine Spur. Die Almleute verdächtigen die Kühe.

Nach einer Pause nehmen wir uns vor, nun auch noch bis zum zweiten Wasserfall weiterzugehen. Es wird sehr steil und anstrengend, am Ende ist der Weg durch Seile und Eisen gesichert. Er endet direkt vor der Felswand, die mehrere hundert Meter senkrecht nach oben ragt.

Der Rückweg stellt sich als einfacher heraus als befürchtet. Bei der erneuten Einkehr in Ingos Hütte erholen wir uns für den finalen Abstieg.

Der ‚einfache Spaziergang‘ hat uns an die Grenzen unserer Möglichkeiten gebracht. Als wir wieder am Campingplatz sind fängt das Gewitter an. Im Restaurant gibt es Rostbraten. Auch der Strampler unserer Nachbarn ist wieder da: er hatte sich im Wohnmobil versteckt.

24.6. Kranjska Gora

Unsere netten schwäbischen Nachbarn fahren weiter Ihren Platz nehmen zwei riesige Wohnmobile mit lärmenden Insassen ein, die als erstes eine große Musikbox in Betrieb nehmen. Wir fürchten um unsere Entspannung und flüchten auf einen schattigen Platz in der anderen Ecke des Campingareals.

Dort verbringen wir faulenzend den Tag. Mit Hilfe des hervorragenden und kostenlosen WLANs verfolgen wir die Leichtathletikwettbewerbe in Lille und Ratingen per Livestream.

25.6. Von Kranjska Gora ins Cadore

Die Wetteraussichten werden immer schlechter: überall Gewitter oder Hitze oder beides. Wir versuchen, Reiseziele zu finden an denen das Wetter nicht so schlecht ist, aber das fällt schwer, weil die Prognosen sich ständig ändern.

Bei unserer Abreise aus Kranjska Gora gießt es wie aus Kübeln. Die Wasserfälle, die vom Dach des Supermarkts herabstürzen, stehen denen die wir auf unsere Wanderung gesehen haben kaum nach.

Wir fahren durch schöne Landschaften ins Cadore, einer Tallandschaft am Südrand der Dolomiten. Bei Calalzo di Cadore mieten wir uns für eine Nacht auf dem Camping Cologna ein –  eine schlechte Entscheidung, wie sich zeigte.

Zur Begrüßung werden wir von den ansässigen Dauercampern bestaunt wie Außerirdische, das Restaurant ist geschlossen, einen Laden gibt es nicht auch keinen Brötchenservice. Der Ort mit den Geschäften liegt ein Stück entfernt auf einem Berg. Obwohl der Campingplatz am See liegt, kann man den See nicht sehen. Plätze mit besserer Aussicht befinden sich auf einem geschlossenen Platzteil. Die Sanitäranlagen sind ‚rustikal‘, Internet gibt es nicht.

Wir fahren ins Dorf. Da Sonntag ist, haben alle Geschäfte geschlossen. In einer Bar kaufen wir für viel Geld Lebensmittel.

Montag 26.6. Alta Badia

Wir fahren weiter ins Zentrum der Dolomiten, für heute ist noch einmal gutes Wetter angesagt, letzte Gelegenheit für eine Wanderung. Zunächst besuchen wir aber in Auronzo den Camping Europa. Auronzo ist ein großer langgezogener Ferienort. Hier wären wird besser aufgehoben gewesen als auf dem Camping Cologna: der Platz ist  besser,  die Versorgungslage ist besser und direkt neben dem Platz verläuft ein Rad/Wanderweg, der in den Ort führt.

In toller Fahrt geht es auf zunächst leeren Straßen über den Passo Tre Croce nach Cortina d’Ampezzo und dann über den Falzarego Paß nach Arabba. Hinter Cortina nimmt der Verkehr zu. Schon auf der Abfahrt nach Cortina waren uns die zahlreichen Radfahrer aufgefallen, jetzt werden es immer mehr. Hinzu kommen Kolonnen von Motorradfahrern und Reisebusse. Was ist hier wohl während der Saison los?

Das Wetter ist prima, die Sicht ist super. Wir fahren von Arraba in Richtung Alta Badia und parken an der Talstation des Sessellifts auf den Pralongià. Der Mann an der Liftstation gibt uns Informationen über Wandermöglichkeiten und wir schweben in riesigen 6er-Sesseln nach oben, wobei sich der Blick auf das Dolomitenpanorama immer besser wird.

Auf dem Plateau gibt es breite Wege auf denen sich auch etliche Radler mit und ohne Elektromotor tummeln. Der Blick ist grandios: im Süden die Marmolata? im Westen die Sellagruppe⛰, im Norden die Zillertaler Alpen ⛰, im Nordwesten die Fanesgruppe ⛰: man möchte sich ständig im Kreis drehen.

Wir gehen zur Bioch-Hütte und genehmigen uns eine Stärkung. Anschließend geht es über den Piz Arlala begab zur Talstation.

In Colfosco übernachten wir in grandioser Szenerie auf dem Campingplatz. In der Nacht beginnt es zu regnen.  Am nächsten Morgen stellen wir fest, daß uns zwei Eier und die Butterdose geklaut wurden, die wir vor unserem Bus platziert hatten.

Dienstag 27.6. Reise-Innsbruck-Füssen

Über Alta Badia und Bruneck fahren wir zur Brennerautobahn. Der angekündigte Regen bleibt aus. In Innsbruck legen wir einen kurzen Stopp ein. Wir gehen zum Goldenen Dachl und machen ein paar Besorgungen. Dann geht es weiter über den Fernpaß nach Füssen. In Schwangau steuern wir den Campingplatz Brunnen am Forgensee an.  Der Platz ist erstaunlich voll. Zwei der Resturants vor Ort haben Ruhetag. Für unser Abschlussessen müssen wir mit dem mäßigen Restaurant am Campingplatz Vorlieb nehmen. Es regnet.