Kinderdijk und Rotterdam

Schon lange schon haben wir vor, einen der touristischen Höhepunkte Hollands aufzusuchen: die historischen Mühlen von Kinderdijk. Unsere Idee war, in die nette Stadt Dordrecht zu fahren, dort zu übernachten und von dort aus mit dem ‚Waterbus‘ nach Kinderdijk und auch nach Rotterdam zu fahren.

Leider war der kleine Campingplatz ‚Het Loze Vissertje‘ voll und so mussten wir umdisponieren. Wir fahren zum Campingplatz Landhoeve am Lek. Der Lek ist ein Mündungsarm des Rheins, mit Frachtverkehr und hohen Deichen. Das Land südlich des Lek ist Polderland: tischeben, nass und grün. Überall stehen Windmühlen. 

Der Campingplatz liegt direkt hinter dem Deich. Es ist ein einfacher Baurenhofcamping. Eine Wiese, hervorragende Sanitäranlagen und ein lustiger Vogel als Chef. Da alle Geschäfte in der Umgebung geschlossen haben (Sonntag) fahren wir zunächst zurück nach Dordrecht und füllen unseren Kühlschrank.

Zu den großen Vorzüge vom Campingplatz Landhoeve zählt seine Lage: Zu den Mühlen von Kinderdijk sind es nur sechs Kilometer, die man mit dem Fahrrad auf dem Deich zurücklegen kann. Wir nutzen das aus und machen uns in der Abenddämmerung auf den Weg.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang tauchen die ersten Mühlen auf. Vom Deich reicht der Blick über das Polderland bis nach Dordrecht. Nur noch wenige Touristen sind zu dieser Zeit unterwegs. Es gibt getrennte Wege für Radler und Fußgänger. Man ahnt, was hier zur Spitzenzeiten los ist.
Einige Mühlen drehen sich, durch die untergehende Sonne und den Abendhimmel eine besonders schöne Szenerie. Etliche Fotografen sind mit Stativen unterwegs und lauern auf den Schuß des Lebens.

Das Gebiet von Kinderdijk ist kein umschlossene Gebiet, der Radweg gehören zum normalen Wegenetz und so beschließen wir, auf dem Mühlendamm weiterzuradeln und im weiten Bogen durch das Polderland zum Campingplatz zurückzukehren. Das Vergnügen wird getrübt, weil Millionen von Insekten in der Luft sind.Zum Glück stechen sie nicht aber das Radeln macht nicht wirklich Spaß. Eine weitere Herausforderung ist das Wassergeflügel, welches um diese Zeit besonders aktiv ist. Man muß im schwachen Licht höllisch aufpassen um keine Enten oder andere Vögel zu überfahren, die unvermittelt aus dem Gebüsch geschossen kommen. 

Im Wasserbus nach Rotterdam

Am nächsten Tag wollen wir Rotterdam erkunden. Zunächst radeln wir über Niew-Lekkerland nach nach Kinderdijk. Der Name Lekkerland hat nichts mit Süßigkeiten zu tun, sondern leitet sich vom Flußnamen ‚Lek‘ ab. Der Radweg führt hinter netten Grundstücken entlang und gewährt Einblick in hübsche Gärten.

In Kinderdijk ist jetzt richtig was los. Am Lekufer liegt ein Hotelschiff aus der Schweiz, die überwiegend japanischen Gäste erobern die Mühlen. Unser Interesse gilt dem bereits erwähnten Wassebus. Ähnlich den Kieler Fördedampfern fahren die blau-weißen Boote planmäßig in Rotterdam und in angrenzenden Gebieten. Wie schliessen die Räder an und fahren nach Rotterdam.

Vom Wasser aus kann man sehr schön einige der spektakulären Bauten sehen. Rotterdam wurde von der deutschen Luftwaffe komplett zerstört, daher gibt es wenig alte Bausubstanz. Die typischen beim Wiederaufbau gemachten Bausünden versucht man zur Zeit wieder gut zu machen. 

Unsere Fahrt endet an der Erasmusbrücke. Etwas orientierungslos gehen wir durch Straßenschluchten. Mitten zwischen den Hochhäusern gibt es einen großen Museumshafen mit vielen zur Besichtigung freigegeben Schiffen und Geräten. Es sieht etwas chaotisch aus.
Auch die berühmte, erst kürzlich eröffnete Markthalle und das umgebende Gelände begeistert uns nicht. Natürlich ist die Markthalle ein spektakulärer sehenswerter Bau, aber im Inneren gibt es keinen Markt, sondern hauptsächlich Freßstände.

Vieles, was wir sehen wirkt eigenartig kühl, breite Wege, wenig Grün, viele heruntergekommene Läden. Wir durchqueren das Museumsviertel, es wird dominiert von einer gigantischen Baustelle, die uns den Weg zur Kunsthalle versperrt. Danach steht uns das riesige Medisch Centrum im Weg. Zunächst wundern wir uns, dass ein Medienzentrum über so viele große Gebäuden verfügt. Dann erst erkennen wir, dass die Bedeutung von ‚Medischcentrum‘ nicht ‚Medienzentrum‘ ist ‚Medizinisches Zentrum‘.

Schöner wird es dann, als wir das Maasufer erreichen. Von der Promenade aus hat man einen tollen Blick auf die Wilhelminapier und das Hotel NewYork. Für eine Erkundung dieses Gebiets sind wir aber zu schlapp. Mit dem Wasserbus fahren wir zurück über Ritterkerk nach Kinderdijk.

Wir sollten Rotterdam eine zweite Chance geben und dann etwas besser vorbereitet sein.