15.06.17
Campingkultur: Italien

So groß die Unterschiede zwischen den Menschen Europas auch sind: Zwischen Dauercampern von Schweden bis Italien gibt es eine Vielzahl geschmacklicher Übereinstimmungen bezüglich Ausstattung und Dekoration ihres Freizeitdomizils.

18.06.17
Asiago und mehr

8.6. Donnerstag, Tannheim

Unser primäres Reiseziel heißt Asiago. Die Hochebene (ca. 1000m)  in den italienischen Alpen wird gerühmt für ihre Wandermöglichkeiten, das angenehme Klima und den gleichnamigen Käse. Genaugenommen handelt es sich um sieben Gemeinden die sich auf dieser Hochebene befinden. Zu Zeiten des Gebirgskrieges zwischen Italien und Österreich (1916-1917) war dies ein schwer umkämpftes Gebiet. Ein gigatisches Monument erinnert an diese Zeit.

Kurz vor Reisebeginn erfahren wir, daß am Wochenende unserer Anreise ausgerechnet in Asiago die italienischen Meisterschaften im Straßenradrennen stattfinden sollen. Wir befürchten Fülle (wie sich herausstellt: zu Recht) und wollen die Zeit an einem anderen Ort überbrücken. Uns kommt uns das Tannheimer Tal und der Campingplatz ‚Alpenwelt‘ in Kienzerle in den Sinn. Nicht zuletzt wegen des guten Essens erinnern wir uns gerne an unseren letzten Aufenthalt dort im Sommer 2014.

Doch leider wurde der Café- und Restaurantbetrieb eingestellt. Das Betreiberpaar hat eine kleine Tochter bekommen und möchte genügend Zeit für das Kind zur Verfügung haben. So müssen wir zum Essen nach Mannheim radeln.

Kuhgeläut mischt sich mit dem Blubbern endloser Motorradkolonnen, die zum Vergnügen durchs Tal fahren. Dieses Vergnügen ist einseitig ?, dennoch genießen wir das Ambiente und den seit Langem den ersten Abend in den Bergen.

9.6. Freitag – Tannheim

Mit den Rädern fahren wir nach Tannheim und dann zum Vilsalpsee. Der beliebte Rundweg um den See ist seit Jahren wegen eines Feldsturzes gesperrt. Trotzdem setzen sich viele Leute (eigentlich alle) über das Verbot hinweg. Es herrscht ganz schön viel Betrieb: die Schulen in Bayern und Baden-Würtemberg haben Pfingstferien. Trotzdem gefällt es uns (mal wieder) sehr im Tannheimer Tal.

Hinter der bewirteten ‚Vilsalpe‘ treffen wir nur noch wenige Leute, wir gehen den Weg bis zum Wasserfall. Es wird eine ziemliche Kraxelei, teilw. geht es durch Bachläufe. Früher waren die Berg irgendwie einfacher zu besteigen… Zur Belohnung finden wir auf der Wiese blühenden Enzian und in der Vilsalpe leckere Leberknödelsuppe und Apfelstrudel.

10.6. Samstag – Tannheim

Am zweiten Tag wollen wir auf der unserem Platz gegenüber liegenden Seite des Tals zur Älple-Alm aufsteigen. Doch an der entscheidenden Stelle verkündet ein Schild, der Weg sei wegen eines Felssturzes gesperrt und die Almhütte geschlossen. Notgedrungen suchen wir eine Alternative und finden einen Weg, der am Hang bis nach Zöblen führt und neben reichlich Kühen schöne Ausblicke ins Tal bietet.

11.6. Sonntag – Tannheim

Heute wollen wir es wissen und eine der schönsten Wandertouren Tirols(?), Österreichs(?), der Welt(?) machen: die 3-Seen-Tour.

Wir fahren mit der Bahn aufs Neunerköpfle und genießen der Blick bis ins Flachland. Wir sind nicht allein, es ist Sonntag und das Wetter ist prima. Beim Fotografieren verliere ich meine Brille (Spoiler: ich bekomme sie am nächsten Tag wieder).

Der Weg bietet fantastische Ausblicke in alle Himmelsrichtungen und über die Wanderung verbreitete Lob ist berechtigt. Einige Passagen sind etwas schwierig (Schnee, eng, steil, andere Leute), aber unsere alten Gelenke halten es aus. Besonders spektakulär ist die Aussicht auf die Landsberger Hütte und zwei der drei beiden Seen hat, die der Wanderung ihren Namen geben.

Nach üblem Gekraxel (nass, schmal, steil, steinig) rasten wir in der Oberen Traualpe (Hütte) und steigen dann zum Vilsalpsee ab, von wo uns ein Touristenzug (Model ‚Toppi‘) zurück zur Liftstation bringt. Zur Belohnung gibt es lecker Essen in der Dorfstube in Tannheim (so wie vor ca. 30 Jahren schon).

12.6. Montag – Reisetag

Wir wollen weiter nach Asiago. Zunächst fragen wir an der Liftstation nach meiner verlorenen Brille und siehe da: jemand hatte sie gefunden und abgegeben. Manchmal ist es von Vorteil, wenn ein paar mehr Leute in der Natur rumlaufen.

Da wir genügend Zeit haben, entscheiden wir uns gegen die Brennerstrecke und fahren durch das Ötztal über das Timmelsjoch (2509 m) nach Südtirol. Das Passeiertal empfängt uns mit Parolen („Freiheit für Südtirol“, „Südtirol ist nicht Italien“). Egal ob italienisch oder südtirolerisch: wir kaufen in Sankt Martin mal wieder Schinken und Knödel ein.

Timmelsjoch

Bei Trentino geraten wir in den Feierabendverkehr und entsprechende Staus. Wir wählen eine kurivge Alternative, die uns auf die Hochebenen führt. Wir fahren durch menscheleere Landschaften, die teilweise skandinavisch anmuten. Nur selten begenet uns ein anderes Auto, es gibt viel Wald.
Spät kommen wir in Asiago an. Am Campingplatz  „Ekar“ ist man sehr freundlich, aber es gibt kaum Infomationen über das touristische Angebot. Dafür offenbar viele Dauerkamper. Sie haben ihre Wohnwagen mit massiven Holzverschlägen winterfest gemacht. Aber zur Zeit ist der Platz total verwaist, das Restaurant ist geschlossen.

13.6. Dienstag – Asiago

Mit dem Rad fahren wir hinab nach Asiago. Es ist ein netter Ort mit leicht kitschig wirkendem Rathaus und vielen Geschäften. Leider kommen wir wieder mal zur Mittagszeit und alles schließt. Das Touristenbüro ist sogar für drei Tage geschlossen, also bleibt die geliehen Karte vom Campingplatz neben dem Handy unsere einzige Navigationhilfe.

Auch ohne Hilfe finden wir einen alten Bahnhof. Die Bahnstrecke wurde still gelegt und dient nun als Fahrradweg. Ursprünglich hatte diese Bahn große Bedeutung. Sie führte von Rochetto nach Asiago und ermöglichte so den Zugang aus der Ebene in das hochgelegene und unzugängliche Plateau.


Auch das Mahnmal für den Gebirgskrieg ist nicht zu übersehen. Wir besteigen den Hügel mit dem weit sichtbaren Monument. Es sollen die Gebeine von über 50 000 gefallenen Soldaten und diesem Mahnmal liegen.

An der Piazetta degli Alpini finden wir ein nettes kleines Lokal gleichen Names und lassen uns Gnocchi mit Asiagokäse servieren: ein Köstlichkeit!

14.6. Mittwoch – Asiago

Wir wollen mit dem Rad die Hochhebene umrunden und scheitern an der Navigation: wir haben immer noch keine Karte und es gibt zu viele verschiedene Wege, um sich nur mit dem Handy zurechtzufinden.

In der Käserei Pennar kaufen wir ein  Pfund jungen Asiago, der Käse schmeckt cremig lecker, am Besten ohne Brot.

Käserei Pennar. Hier wird Asiago gemacht.

Am späten Nachmittag beginnt es zu regnen. Zum Glück ist das Restaurant am Campingplatz geöffnet.  Die Preise für Essen und Trinken sind ungewöhnlich niedrig. Keine Pizza kostet mehr als mehr als 8€ , 1/2 l prickelnder Faßwein aus dem Krug. kostet 3. Das Brötchen kostet gar nur 20 Cent (Es könnte gerne das dreifache sein, wenn es denn nach irgendetwas schmecken würde).

15.6. Donnerstag – Asiago

Nachdem wir den Tag faul auf dem Campingplatz verbracht haben, machen wir am Nachmittag eine kleine Wanderung zum Cima Ekar, dem Berg hinter unserem Haus. Es geht ziemlich gerade bergauf und auch wieder hinunter. Oben gibt es ein Observatorium ? der Universität Padua. Die Sternengucker schätzen die geringe Lichtverschmutzung auf der Hochebene: es wird wirklich dunkel.

16.6. Freitag – Asiago

Das Wetter im Alpenraum, Norditalien und Slowenien ist etwas problematisch: Wetter Online berichtet über häufige Gewitter, Regentage oder Temperaturen über 30 Grad. Hier in Asiago ist es hingegen trocken, sonnig und nicht zu heiß; wir können uns nicht durchringen an einen anderen Ort zu fahren.

Leider muß man für Unternehmungen immer eine Anfahrt mit dem Rad oder dem Auto an Kauf nehmen, wobei diese Anfahrt durchaus anstrengend sein kann.

Für unsere Wanderung zum Monte Cengio fahren wir mit dem Auto ans andere Ende der Hochebene. Bei der Anfahrt merken wir, wie weitläufig es hier ist und wie wenig wir bislang von der Hochebene gesehen haben.

In der Wanderkarte ist ein Wanderweg von Treche Conca zum Monte Cengio beschrieben.  Am Einstieg müssen wir feststellen, daß es viele Wanderwege gibt, aber ausgerechnet der aus unserer Karte fehlt. Die Siete Commmuni, wie sich die Gemeinden hier nennen, könnten im Bereich des Tourismus ihre Gemeinsamkeit gerne etwas vertiefen. Wir versuchen wir es mit Handynavigation, was reichlich gut klappt.

Auf dem Weg sehen wir viele leer stehende Ferienhäuser. Keine protzigen Villen sondern solide schöne Häuser und Grundstücke, oft weit ab von der nächsten Straße. Ein großer Teil unseres Weges führt über die Autostraße zum Monte Cengio, aber das ist kein Problem: nur ein einziges Auto passiert uns während des Aufstiegs.

Findet Friedel!

Der Monte Cengio war im Gebirgskrieg eine schwer umkämpfte italienische Stellung. Es gibt in den überhängenden Fels gehauene Maultierpfade und Tunnel, die nun von Wanderern genutzt werden können. Ein spektakuläres Erlebnis. Leider verhindert diesiges Wetter den Blick ins Tal, dennoch ist es sehr beeindruckend. Obwohl es sehr gefährlich aussieht sind die Wege breit, fest, gesichert und problemlos zu begehen.

Bei YouTube gibt es ein 3 Minuten Video, welches den Weg bei besseren Sichtverhältnissen zeigt: Link zu Youtube.

17.6. Samstag – Asiago

Das Wochenende verbringen wir mit Faulenzen. Einfach nur sitzen und wenig bewegen. Bis Mittag treffen noch weitere Wohnmobile ein, auch die Dauercamper öffnen ihre Verschläge. Es ist deutlich mehr los auf dem Platz.

Ich sehe ich einen Dackel mit Hinterachse.  Mit den Vorderbeinen läuft er, die Hinterbeine hängen in der Luft und das Hinterteil war eine Konstruktion befestigt, die zwei Räder hatte (Google „Hunderollstuhl“). Morgen verlassen wir Asiago, hier noch ein paar Bilder:

19.6. Montag – Mal kurz zum zum Mittelmeer

Trotz der angekündigten Hitze (es werden 34 Grad erwartet)  wollen wir mal ‚kurz ans Mittelmeer‘. Wir verlassen die ‚Altipiano de Asiago‘ und schrauben uns auf 15 Kehren ins Tal. Sofort wird es warm und südländisch: Wein, Oliven, Oleander…

Die Fahrt ist wenig reizvoll. Einkäufe erledigen wir bei Famila (!). Ziel ist Sistiana in der Bucht von Triest. Sistiana war zu Kaiserszeiten unter dem Namen ‚Seestein‘ Stützpunkt der österreichischen(!) und zu Führers Zeiten Stützpunkt der deutschen Marine.

Zwischen Autobahn und Meer gelegen finden wir mit dem Campingplatz  Camping Village Marepineta eine schöne Anlage vor. Das Meer liegt  allerdings ca. 100 m unter uns. Wir bekommen einen schattigen Platz mit Meerblick. In der Ferne sieht man das Schloß Miramare und die Stadt Triest. Vor dem Platz verläuft der Rilkeweg. Der deutsche Poet, der mit diesem Weg geehrt werden soll, verfaßte einen Teil seiner berühmten Duineser Ellegien (vgl. Loriot/Heinz Meyer: ‚Ich muß die Nase meiner Ollen an jeder Grenze neu verzollen‘) auf dem nahegelegenen Schloß Duino.

Der Weg des Poeten ist uns aber zu steinig und die Hitze lähmt uns. In der Nacht wird es nicht ruhig: Autobahn von rechts, Poolbespaßung von links und später noch Beachbespaßung von unten. Wie geplant, reisen wir  am nächsten Tag weiter.

20.6. Dienstag – Von Triest nach Kranjska Gora

Wenn wir schon einmal so weit östlich sind, wollten wir Slowenien einen Besuch abstatten. Das letzte Mal, als ich dort war, hieß es noch Jugoslawien.

Der Fluß Isonzo, der auf Slowenisch Soĉa heißt, verläuft ungefähr in Nord-Süd-Richtung und bildete im hier allgegenwärtigen Gebirgskrieg den östlichen Teil der Front, die sich im Westen bis zum Stilftser Joch ersteckte. 12 Isonzo-Schlachten verleihen der Gegend finsteren Ruhm. Der Fluss markiert heute ungefähr die Grenze zwischen Italien und Slowenien und und bestimmt auch Verlauf der slowenischen Landstraßen 103 und 102 denen wir auf unserem Weg in die Julischen Alpen folgten. Die Straßen sind leer es gibt kaum Autos, gelegentlich ein paar Wanderer oder Kanusportler. Es gibt viel Wald, die Berghänge sind ungewöhnlich steil. Das Wasser des Flusses wird durch das helle Gestein des Flußbetts besonders klar, tiefere Passagen leuchten grün. Mittendrin der Triglav (2864 m), das Zentrum des gleichnamigen Nationalparks.

Bei Kobarid verlassen wir die Straße 102 und setzten uns über die beharrlichen Proteste unseres Navigationsgerätes hinweg (später erfahren wird, daß die Straße bis vor wenigen Tagen gesperrt war). Wir befinden und auf lediglich 232 m Meereshöhe, auch deswegen wirken die über 2000 m hohen Berge mit ihren steilen Felswänden besonders beeindruckend. In zahlreichen, teilweise sehr steilen Kehren geht es nun von 232 m auf den 1611 m hoch gelegene Pass Prelaz Vrŝiĉ. Zum Glück hält sich der Verkehr nach wie vor in Grenzen. Hin und wieder nervende Motorradschwärme. Bussen, Wohnwagen etc. ist die Befahrung der Strecke verboten.

Hinter dem Pass geht es dann auf über 20 Kehren hinab auf 800 m nach Kranjska Gora. Kranjska Gora ist liegt in einer Sportregion. Regelmäßig werden hier internationale Skirennen ausgetragen, in der Nachbarschaft liegen das Skiflugmekka Planica und die Biathlonstrecken von Pokljuka. Jetzt im Sommer bestimmen Wanderer und Radfahrer das Bild. An der Sporthalle bekundet ein Logo, daß der nordhessische Handballclub MT Melsungen hier ein Trainingslager durchführte.

Etwa 5 km östlich liegt im Savetal das Dorf Gozd Martuljek. Hier finden wir den nagelneuen Campingplatz Špik. Es gibt ein tolles Bergpanorama und viele schattige Plätze mit schönen Wiesenuntergrund.

21.6. Mittwoch – Kranjska Gora: Sommeranfang im Wintersportort

Wir nehmen uns nicht viel vor, denn für Mittag wurden Gewitter angekündigt. Mit dem Rad wollen wir von unserem Platz in Gozd Martulhak nach Kranjska Gora und weiter zu den Skisprungschanzen von Planica fahren. Wir nutzen den tollen nagelneuen Radweg, der auf einer alten Bahntrasse verläuft. In Kranjska Gora gibt es viele Restaurants und Geschäfte. Man ist auf einiges eingerichtet. Wir schreiben Postkarten am Tourismusbüro, erstehen einen Rucksack und kaufen Lebensmittel.

Es ist sehr warm und wir sind recht schlapp, sodaß wir auf die Weiterfahrt nach Planica verzichten und zurück zu unserem Platz fahren. Das Gewitter wird zunächst auf den frühen Abend verschoben und dann in Regenwetter gewandelt. Um halbsechs kommt es dann doch.

22.6. Donnerstag – Kranjska Gora / Planica

Mit dem Rad fahren wir wieder auf der alten Bahntrasse nach Kranjska Gora und weiter nach Planica. Der Radweg ist super zu fahren, man tut hier eine Menge für die Touristen. Es geht ständig leicht bergsauf, die letzen Kilometer nach Planica folgen wir der Straße. Es ist sehr warm und als wir im Talkessel der Sprungschanzen angekommen, suchen wir zunächst den Schatten um uns etwas zu erholen. Nicht die Steigung stellt das Problem dar sondern die hohen Temperaturen.

Am Ende des Tals beginnt ein Weg zum Talschluss, der sehr gelobt wird. Aber wegen der Hitzen lassen wir uns nicht darauf ein. Das Nordic-Center, wie die Anlage genannt wird ist ein beeindruckender Sportkomplex. Dabei bekommt man vieles gar nicht zu Gesicht, weil es unterirdisch angelegt ist. So befindet sich unter der Erde zum Beispiel eine Skihalle, in der man auch in Somner auf einer 800 m langen Loipe trainieren kann, die über drei Etagen führt. Ebenso gibt es dort einen Windkanal zum Testen der Aerodynamik von Skispringern. Oberirdisch gibt es sieben Schanzen unterschiedlicher Größe, alle für das Sommertraining ausgestattet. Nur die berühmte Skiflugschanze kann im Sommer nicht zum Skispringen genutzt werden. Dafür gibt es aber eine Seilbahn, mit der wagemutige Touristen für 25€ einen Skiflug simulieren können. Leider was die Anlage geschlossen. Wie das aussieht, kann man aber bei Youtube bewundern:

24.6. – Kranjska Gora: Zwei Wasserfälle und Ingos Hütte

Gegenüber unseres Campingplatzes beginnt ein Wanderweg, der zu zwei schönen Wasserfällen und einer bewirteten Hütte führt. Der Weg ist als ‚leicht‘ eingestuft, genau das was wir heute gerne machen würden. Unsere Platznachbarn waren gestern dort und bitten uns, auf der Hütte zu fragen, ob man dort einen Babystrampler gefunden hat, den sie vermissen.

Der Weg verläuft angenehm schattig durch den Wald, es gibt viele wilde Alpenveilchen. Noch vor dem ersten Wasserfall wird es schmal und wir gehen durch eine enge, tiefe Schlucht. Plötzlich lösen sie mehrere große Steine aus der Felswand und knallen wenige Meter vor uns in den Fluß. Was für ein Schreck!

Wir überwinden die kritische Stelle möglichst schnell und kommen zum ersten Wasserfall. Da wir auf jeden Fall zur Hütte wollen, um nach dem Strampler zu fragen, gehen wir weiter. Mit dem ‚leichten‘ Weg ist es jetzt vorbei. Es wird sehr steil und anstengend.

Die Hütte ‚Pri Ingotu‘ liegt wunderbar auf einer Bergwiese und ist umringt von steilen Felswänden. Gekocht wird im Freien, bzw. unter einem zusammengezimmerten Holzdach. Es gibt Gemüsesuppen, Kräutertees, Sauerkraut mit Wurst und – was man in dieser ursprünglichen Umgebung nicht vermutet: mehrere Sorten Bier. Die Hütte hast sogar eine moderne Webseite. Nur vom Babystrampler keine Spur. Die Almleute verdächtigen die Kühe.

Nach einer Pause nehmen wir uns vor, nun auch noch bis zum zweiten Wasserfall weiterzugehen. Es wird sehr steil und anstrengend, am Ende ist der Weg durch Seile und Eisen gesichert. Er endet direkt vor der Felswand, die mehrere hundert Meter senkrecht nach oben ragt.

Der Rückweg stellt sich als einfacher heraus als befürchtet. Bei der erneuten Einkehr in Ingos Hütte erholen wir uns für den finalen Abstieg.

Der ‚einfache Spaziergang‘ hat uns an die Grenzen unserer Möglichkeiten gebracht. Als wir wieder am Campingplatz sind fängt das Gewitter an. Im Restaurant gibt es Rostbraten. Auch der Strampler unserer Nachbarn ist wieder da: er hatte sich im Wohnmobil versteckt.

24.6. Kranjska Gora

Unsere netten schwäbischen Nachbarn fahren weiter Ihren Platz nehmen zwei riesige Wohnmobile mit lärmenden Insassen ein, die als erstes eine große Musikbox in Betrieb nehmen. Wir fürchten um unsere Entspannung und flüchten auf einen schattigen Platz in der anderen Ecke des Campingareals.

Dort verbringen wir faulenzend den Tag. Mit Hilfe des hervorragenden und kostenlosen WLANs verfolgen wir die Leichtathletikwettbewerbe in Lille und Ratingen per Livestream.

25.6. Von Kranjska Gora ins Cadore

Die Wetteraussichten werden immer schlechter: überall Gewitter oder Hitze oder beides. Wir versuchen, Reiseziele zu finden an denen das Wetter nicht so schlecht ist, aber das fällt schwer, weil die Prognosen sich ständig ändern.

Bei unserer Abreise aus Kranjska Gora gießt es wie aus Kübeln. Die Wasserfälle, die vom Dach des Supermarkts herabstürzen, stehen denen die wir auf unsere Wanderung gesehen haben kaum nach.

Wir fahren durch schöne Landschaften ins Cadore, einer Tallandschaft am Südrand der Dolomiten. Bei Calalzo di Cadore mieten wir uns für eine Nacht auf dem Camping Cologna ein –  eine schlechte Entscheidung, wie sich zeigte.

Zur Begrüßung werden wir von den ansässigen Dauercampern bestaunt wie Außerirdische, das Restaurant ist geschlossen, einen Laden gibt es nicht auch keinen Brötchenservice. Der Ort mit den Geschäften liegt ein Stück entfernt auf einem Berg. Obwohl der Campingplatz am See liegt, kann man den See nicht sehen. Plätze mit besserer Aussicht befinden sich auf einem geschlossenen Platzteil. Die Sanitäranlagen sind ‚rustikal‘, Internet gibt es nicht.

Wir fahren ins Dorf. Da Sonntag ist, haben alle Geschäfte geschlossen. In einer Bar kaufen wir für viel Geld Lebensmittel.

Montag 26.6. Alta Badia

Wir fahren weiter ins Zentrum der Dolomiten, für heute ist noch einmal gutes Wetter angesagt, letzte Gelegenheit für eine Wanderung. Zunächst besuchen wir aber in Auronzo den Camping Europa. Auronzo ist ein großer langgezogener Ferienort. Hier wären wird besser aufgehoben gewesen als auf dem Camping Cologna: der Platz ist  besser,  die Versorgungslage ist besser und direkt neben dem Platz verläuft ein Rad/Wanderweg, der in den Ort führt.

In toller Fahrt geht es auf zunächst leeren Straßen über den Passo Tre Croce nach Cortina d’Ampezzo und dann über den Falzarego Paß nach Arabba. Hinter Cortina nimmt der Verkehr zu. Schon auf der Abfahrt nach Cortina waren uns die zahlreichen Radfahrer aufgefallen, jetzt werden es immer mehr. Hinzu kommen Kolonnen von Motorradfahrern und Reisebusse. Was ist hier wohl während der Saison los?

Das Wetter ist prima, die Sicht ist super. Wir fahren von Arraba in Richtung Alta Badia und parken an der Talstation des Sessellifts auf den Pralongià. Der Mann an der Liftstation gibt uns Informationen über Wandermöglichkeiten und wir schweben in riesigen 6er-Sesseln nach oben, wobei sich der Blick auf das Dolomitenpanorama immer besser wird.

Auf dem Plateau gibt es breite Wege auf denen sich auch etliche Radler mit und ohne Elektromotor tummeln. Der Blick ist grandios: im Süden die Marmolata? im Westen die Sellagruppe⛰, im Norden die Zillertaler Alpen ⛰, im Nordwesten die Fanesgruppe ⛰: man möchte sich ständig im Kreis drehen.

Wir gehen zur Bioch-Hütte und genehmigen uns eine Stärkung. Anschließend geht es über den Piz Arlala begab zur Talstation.

In Colfosco übernachten wir in grandioser Szenerie auf dem Campingplatz. In der Nacht beginnt es zu regnen.  Am nächsten Morgen stellen wir fest, daß uns zwei Eier und die Butterdose geklaut wurden, die wir vor unserem Bus platziert hatten.

Dienstag 27.6. Reise-Innsbruck-Füssen

Über Alta Badia und Bruneck fahren wir zur Brennerautobahn. Der angekündigte Regen bleibt aus. In Innsbruck legen wir einen kurzen Stopp ein. Wir gehen zum Goldenen Dachl und machen ein paar Besorgungen. Dann geht es weiter über den Fernpaß nach Füssen. In Schwangau steuern wir den Campingplatz Brunnen am Forgensee an.  Der Platz ist erstaunlich voll. Zwei der Resturants vor Ort haben Ruhetag. Für unser Abschlussessen müssen wir mit dem mäßigen Restaurant am Campingplatz Vorlieb nehmen. Es regnet.

27.07.17
Leer in Leer

Zum Auftakt unserer Reise nach Friesland und Holland haben wir uns den Campingplatz & Yachthafen Ems Marina Bingum als Ziel gewählt. Er liegt in Ostfriesland an der Ems, gegenüber von Leer.

Als wir ankommen ist die Rezeption nicht besetzt, aber das Tor ist geöffnet. Das weitläufige Gelände wirkt verlassen, aber gepflegt. Eigenartig: es ist Hochsommer, trotzdem ist kein Mensch, kein Wohnwagen, kein Zelt zu sehen. Auch der angeschlossene Yachthafen ist verwaist. Erst am hinteren Ende der Anlage sehen wir ein paar Dauercamper.

Als die Rezeption öffnet, finden sich tatsächlich noch zwei, drei weitere Gäste ein. Nach dem Check-In fahren wir mit dem Rad über die Emsbrücke nach Leer.

Es ist voll in Leer. Viele Menschen tummeln sich in der langgezogenen Einkaufsstraße. Die Stadt ist gerade Gastgeber eines Motorboottreffens. Zahlreiche Motorboote, sind in mehreren Konvois aus ganz Niedersachsen gekommen, um das Jubiläum ihres Verbandes zu feiern.

Ausgerechnet im schöneren, „Altstadt“ genannten Teil der Stadt ist deutlich weniger Betrieb. Mit Mühe finden wir ein Restaurant, welches zu dieser Zeit warmes Essen serviert. Es gibt Fisch satt.

Der Verdauungsspaziergang führt uns über die Halbinsel Nessum, auf der luxuriöse Wohn und Geschäftshäuser gebaut wurden, von denen aus Dachterassen und verglasten Fronten schöne Blicke auf den Hafen und die Stadt bieten. Die Stadt hatte die brache Halbinsel vor einiger Zeit gekauft und durch diese Ansiedlung sicher an Attraktivität gewonnen.

Am nächsten Morgen hat die Platzcheffin Interessantes zu berichten: als sie den Platz vor 15 Jahren übernahm war er voll mit Dauercampern. Diese übertrieben ihr Dauercampertum indem sie immer mehr Zeug abschleppten, aufbauten usw. Sie hielten sich nicht an die Regeln, stellten dafür eigene auf, zahlen nicht für Müll und Abwasser.

Der Cheffin und auch etlichen „Normalocampern“ mißfiel das. Weil das nicht die Art von Campingplatz war, die sie wollte, ging sie dagegen vor. Sie vor kündigte Verträge und zog sich den Unmut der Dauercamper zu. Auch heute wird noch anonym gegen sie m Netz polemisiert. Aber sie ist mit der Situation zufrieden, die Besucherzahlen seien OK, der Platz sei riesig groß daher würden Teile eben so vereinsamt aussehen.

Wegen aufkommendem Regen und Wind verschieben wir eine Radtour nach Papenburg oder zum Dollart auf ein anderes Mal und fahren weiter nach Holland.

28.07.17
Auch leer in Franeker

Gegen Mittag kommen wir nach entspannter Fahrt durch Friesland in Franeker an. Es ist Ferienzeit – auch in Nordrhein Westfalen. Wir haben uns für den kleinen Ort abseits der Küste entschieden, weil wir befürchteten, direkt am Meer würde es überfüllt sein (ein Irrtum, wie sich zeigen sollte).

Der Vakantiepark Bloemketerp ist eine ruhige, kleine Anlage mit Hallenbad, Restaurant und Kinderspielparadies. Aber von diesen Attraktionen bekommt man nur wenig mit, wenn man auf einem der geräumigen Plätzen mit Golfrasen steht. Von Hochsaison keine Spur, nur wenige Plätze sind belegt. Das WLAN ist mäßig, die Versorgungslage super: zwei Supermärkte liegen direkt neben dem Platz.

Mit dem Rad fahren wir in den Ort, ein hübsches friesisches Städtchen mit einem imposanten Rathaus. Wikiwissen: Die Schokladenfabrik Van Routen fertigte 1893 für die Weltausstellung in Chicago eine Kopie dieses Hauses an, sie steht jetzt als ‚Dutch House‘ in Brookline/Massachussets.

Am Ende der Hauptstraße werden Tribünen um eine Grasfläche errichtet. Wir erfahren dass hier in wenigen Tagen der jährliche Abschluss der Kaats Saison stattfinden wird. Wir kernen, dass Katzen eine friesische Ballsportart mit großer Tradition ist: seit 1853 wird hier jährlich das beste Team ermittelt. Das ganze ist nicht etwa Folklore, sondern ein ernsthafter Sport. Das Spiel sieht für mich aus, wie mit bloßer Hand gespieltes Tennis. Die englische Bezeichnung „friesian handball“ ist irreführend. Mehr Auskunft gibt die Webseite der Veranstaltung und Wikipedia. Bewegte Bilder findet man auch bei Youtube.

Wir umrunden den Ort auf der vom Tourismusbüro vorgeschlagenen Route und landen im niedlichen Gartencafe des Planetariums, wo wir uns lekker Appeltaart, lekker Pankoken und lokales Planetenbier gönnen.

Eise Eisinga Planetarium

Am folgenden Tag wollen wir nun doch mal wissen, wo sich die Tourismusmassen verstecken und nehmen uns vor nach Harlingen ans Meer zu radeln. Vorher jedoch statten wir dem Planetarium einen Besuch ab, der Cafébesuch am Vortag hatte unsere Neugier geweckt.

Das Eise Eisinga Planetarium ist das älteste funktionierende Planetarium der Welt. Eise Eisinga war ein Wollkämmer und ein Hobbyastronom, der im 18. Jh seine unwissenden Mitfriesen davon überzeugen wollte, dass ihnen der Himmel nicht auf den Kopf fallen würde. Dazu baute er zwischen 1744 und 1781 unter die Decke seines Wohnzimmers ein durch ein Uhrwerk angetriebenes Abbild des Planetensystems – ein Planetarium. Der König war begeistert und kaufte Eisinga das Planetarium für viel Geld ab. Als Gegenleistung musste der Autodidakt den Bürgern das Planetensystem erklären und brauchte keine Schafe mehr zu kämmen.

Funfact: damit das für den Antrieb benötigte Pendel genau 60 Schläge pro Minute vollführt musste es so lang sein, daß es durch die Zimmerdecke über dem Ehebett schwingen würde. Dies mißfiel Frau Eisinga, der Gatte musste das Pende kürzen und die komplette Antriebsmechanik neu berechnen.

Das Planetarium funktioniert noch heute. Von der Webseite des Planetariums funktioniert leider nur die niederländischen Variante. Einen guten (englischen) Text gut es bei Nature.

Harlingen

Nach dem Museumsbesuch fahren wir nach Harlingen. Der Weg ist nich so toll, es geht weite Strecken an der Hauptstraße entlang und dem strammen Wind entgegen. Harlingen ist ein lebhafter Ort mit einer schönen baumbestandenen Hauptstraße. Am Hafen dann endlich Touristenmassen: großer Trubel am Fähranleger der Urlauber von und zu den Inseln Vlieland und Terschelling bringt.

Auf dem Deich fahren wir nach Süden und inspizieren den Campingplatz de Zeehove, er liegt direkt hinter dem Deich und ist gut besucht aber auch nicht überfüllt.

Wir verlassen den Deich und fahren durch das Land zurück nach Franeker. Unterwegs haben wir in Arum. Es ist Dorffest, für uns gibt es Frietjes.

31.07.17
Kinderdijk und Rotterdam

Schon lange schon haben wir vor, einen der touristischen Höhepunkte Hollands aufzusuchen: die historischen Mühlen von Kinderdijk. Unsere Idee war, in die nette Stadt Dordrecht zu fahren, dort zu übernachten und von dort aus mit dem ‚Waterbus‘ nach Kinderdijk und auch nach Rotterdam zu fahren.

Leider war der kleine Campingplatz ‚Het Loze Vissertje‘ voll und so mussten wir umdisponieren. Wir fahren zum Campingplatz Landhoeve am Lek. Der Lek ist ein Mündungsarm des Rheins, mit Frachtverkehr und hohen Deichen. Das Land südlich des Lek ist Polderland: tischeben, nass und grün. Überall stehen Windmühlen. 

Der Campingplatz liegt direkt hinter dem Deich. Es ist ein einfacher Baurenhofcamping. Eine Wiese, hervorragende Sanitäranlagen und ein lustiger Vogel als Chef. Da alle Geschäfte in der Umgebung geschlossen haben (Sonntag) fahren wir zunächst zurück nach Dordrecht und füllen unseren Kühlschrank.

Zu den großen Vorzüge vom Campingplatz Landhoeve zählt seine Lage: Zu den Mühlen von Kinderdijk sind es nur sechs Kilometer, die man mit dem Fahrrad auf dem Deich zurücklegen kann. Wir nutzen das aus und machen uns in der Abenddämmerung auf den Weg.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang tauchen die ersten Mühlen auf. Vom Deich reicht der Blick über das Polderland bis nach Dordrecht. Nur noch wenige Touristen sind zu dieser Zeit unterwegs. Es gibt getrennte Wege für Radler und Fußgänger. Man ahnt, was hier zur Spitzenzeiten los ist.
Einige Mühlen drehen sich, durch die untergehende Sonne und den Abendhimmel eine besonders schöne Szenerie. Etliche Fotografen sind mit Stativen unterwegs und lauern auf den Schuß des Lebens.

Das Gebiet von Kinderdijk ist kein umschlossene Gebiet, der Radweg gehören zum normalen Wegenetz und so beschließen wir, auf dem Mühlendamm weiterzuradeln und im weiten Bogen durch das Polderland zum Campingplatz zurückzukehren. Das Vergnügen wird getrübt, weil Millionen von Insekten in der Luft sind.Zum Glück stechen sie nicht aber das Radeln macht nicht wirklich Spaß. Eine weitere Herausforderung ist das Wassergeflügel, welches um diese Zeit besonders aktiv ist. Man muß im schwachen Licht höllisch aufpassen um keine Enten oder andere Vögel zu überfahren, die unvermittelt aus dem Gebüsch geschossen kommen. 

Im Wasserbus nach Rotterdam

Am nächsten Tag wollen wir Rotterdam erkunden. Zunächst radeln wir über Niew-Lekkerland nach nach Kinderdijk. Der Name Lekkerland hat nichts mit Süßigkeiten zu tun, sondern leitet sich vom Flußnamen ‚Lek‘ ab. Der Radweg führt hinter netten Grundstücken entlang und gewährt Einblick in hübsche Gärten.In Kinderdijk ist jetzt richtig was los. Am Lekufer liegt ein Hotelschiff aus der Schweiz, die überwiegend japanischen Gäste erobern die Mühlen. Unser Interesse gilt dem bereits erwähnten Wassebus. Ähnlich den Kieler Fördedampfern fahren die blau-weißen Boote planmäßig in Rotterdam und in angrenzenden Gebieten. Wie schliessen die Räder an und fahren nach Rotterdam.

Vom Wasser aus kann man sehr schön einige der spektakulären Bauten sehen. Rotterdam wurde von der deutschen Luftwaffe komplett zerstört, daher gibt es wenig alte Bausubstanz. Die typischen beim Wiederaufbau gemachten Bausünden versucht man zur Zeit wieder gut zu machen. Unsere Fahrt endet an der Erasmusbrücke. Etwas orientierungslos gehen wir durch Straßenschluchten. Mitten zwischen den Hochhäusern gibt es einen großen Museumshafen mit vielen zur Besichtigung freigegeben Schiffen und Geräten. Es sieht etwas chaotisch aus.

Auch die berühmte, erst kürzlich eröffnete Markthalle und das umgebende Gelände begeistert uns nicht. Natürlich ist die Markthalle ein spektakulärer sehenswerter Bau, aber im Inneren gibt es keinen Markt, sondern hauptsächlich Freßstände.Vieles, was wir sehen wirkt eigenartig kühl, breite Wege, wenig Grün, viele heruntergekommene Läden. Wir durchqueren das Museumsviertel, es wird dominiert von einer gigantischen Baustelle, die uns den Weg zur Kunsthalle versperrt. Danach steht uns das riesige Medisch Centrum im Weg. Zunächst wundern wir uns, dass ein Medienzentrum über so viele große Gebäuden verfügt. Dann erst erkennen wir, dass die Bedeutung von ‚Medischcentrum‘ nicht ‚Medienzentrum‘ ist ‚Medizinisches Zentrum‘.

Schöner wird es dann, als wir das Maasufer erreichen. Von der Promenade aus hat man einen tollen Blick auf die Wilhelminapier und das Hotel NewYork. Für eine Erkundung dieses Gebiets sind wir aber zu schlapp. Mit dem Wasserbus fahren wir zurück über Ritterkerk nach Kinderdijk.
Wir sollten Rotterdam eine zweite Chance geben und dann etwas besser vorbereitet sein. 

01.08.17
Leiden, Scheveningen, Den Haag

Wir fahren nach Wassenaar. Obwohl es mitten durch das Ballungsgebiet geht, haben es eine angenehme Fahrt. Auf dem voll belegten Campingplatz Duinhorst bekommen wir mit Glück einen Platz. Zwar hatten wir reserviert, sind aber einen Tag zu früh. Hier merkt man doch, daß wir in der Hauptsaison unterwegs sind.

Es ist noch früh, wir nehmen uns eine Radtour vor. Zunächst geht es durch das Villenviertel von Wassenaar mit einem kurzen Abstecher zum Freizeitpark Duinrell, dann auf einem toller Radweg durch ein Gebiet mit Pferdezucht zum Valkenburger Meer und weiter in die Universitätsstadt Leiden (Knotenpunkte 34-46-47-48-49-79-53-02-86).

Wir bummeln durch Leiden. Es sind viele Urlauber unterwegs, die Straßenkaffees sind gut gefüllt. Bei VIP auf dem Schwimmdock gibt es Pizza, lecker und preiswert. Das Schwimmdock erweist sich als tückisch: einer Frau rutscht die Tüte mit Einkäufen ins Wasser, beim Rettungsversuch schmeisst der Kellner fast einen Stuhl hinterher: gute Unterhaltung in Leiden.

Die Weiterfahrt ans Meer ist durch Baustellen und Umleitungen kompliziert und nicht angenehm. Schließlich erreichen wir Katwijk an Zee. Von hier aus geht es durch die Dünen nach Süden. Der Dünencamping von Katwijk ist vom Radweg aus einsehbar: enorm voll, dicht belegt und keinerlei Sichtschutz. 

Auf dem schönen Dünenradweg geht es in Richtung Duindell. Es herrscht mächtig viel Betreib, vor allem Radsportler mit Rennrädern bevölkern die Strecke. Das letzte Stück von Duo kennen wir bereits. Als wir am Campingplatz ankommen haben wir 45 km auf dem Tacho.

Beelden aan Zee

Mit dem Rad fahren wir nach Scheveningen. Zur Hochsaison ist es im Bereich des Piers noch häßlicher als sonst. Alles ist zugestellt und voll. Von der Promenade aus ist das Meer nicht zu sehen.

Das Museum ‚Beelden aan Zee‘ (=Skulpturen am Meer) ist fast nicht zu sehen. Einzig die witzigen Figuren (‚Sprookjes‘) auf der Promenade weisen auf das Kunstmuseum hin, welches komplett in den Dünen versteckt ist. Wenn man im Museum ist, wundert man sich dann wie geräumig es ist. Wir kaufen Museumskaarts, die uns für ein Jahr kostenlosen Eintritt in viele niederländische Museen ermöglichen werden.

Neben der interessanten Architektur gefallen uns vor allem die Skulpturen der ständigen Ausstellung. Dazu  gibt es Ausstellungen eines chinesischen und eines italienischen Künstlers. Für die Picasso-Ausstellung, von der wir gehört hatten, kommen wir leider zu spät.

Wir fahren auf der Promenade weiter nach Süden bis in den Bereich des Hafens. Im Surfclub nehmen wir einem Imbiss und beobachten das Strandleben. Anschließend kaufen wir Fisch bei Simons, fahren nach Den Haag zu unserer Tochter und kochen zusammen ein leckeres Abendessen.

Geburtstag im Gemeentemuseum

Am nächsten Tag hat Linda Geburtstag. Wir treffen uns im Gemeentemuseum und huldigen Piet Mondrian, der in diesem Jahr das Thema in Den Haag ist. Vor 100 Jahren wurde die Kunstrichtung „De Stijl“ begründet, wobei Mondrian maßgeblichen Anteil hatte. Als spezielles Thema wurde das Thema ‚Mode‘ behandelt: das Museum zeigte den Einfluss Mondirans auf Modekollektionen.Neben den Exponaten ist das aber auch das Museum selbst ein Hingucker.

Zum Geburtstagsessen gingen wir ins Restaurant Nomad. Ein brasilianisch-österreichischen Paar bereitet ausgesprochen leckeres Fleisch aus Südbrasilien zu, zum Nachtisch gab es Kaiserschmarren. 

19.08.17
German Classics

Freunde und Eigner alter Segelyachten treffen sich jährlich in Laboe. ‚German Classics‘ heißt die Veranstaltung, ‚Deutsche Klassiker‘ wollte man das Treffen wohl nicht nennen, aus Sorge unkundige Landratten würden Schiller und Goethe erwarten, statt Mahagoni und Segeltuch.

Für den Freitag waren Kurzwettfahrten und kräftiger Nachmittagsregen angekündigt, also entschieden wir früh nach Laboe zu fahren, in der Hoffnung die Schönheiten nach der Kurzwettfahrt und vor dem Regen im Hafen bewundern zu können. Daraus wurde nichts, denn die Wettfahrten waren zwar kurz, aber es waren derer viele und die Yachten tummelten sich bis zum späten Nachmittag weit entfernt am der gegenüberliegenden Ufer in der Strander Bucht. Der Regen fiel auch aus. So blieb uns ein Essen in der Fischküche und ein schöner Strandspaziergang mit Fernblick auf das Regattageschehen.

Für den Samstag stand eine Langstreckenregatta zum Stollergrund auf dem Programm. Der Start sollte in der Strander Bucht erfolgen. Dieses Mal fällten wir die richtigen Entscheidungen: eine Stunde vor dem Start standen wir in Schilksee auf der Steilküste und beobachteten, wie die Boote aus Laboe herüberkamen. Bei kräftigem, ablandigen Wind aus Südwest verlief die Startkreuz direkt auf uns zu. In Ufernähe war das Wasser spiegelglatt, die Leetonne wurde in respektvollem Abstand zur Steilküste gelegt, um die Segler nicht in die Flaute zu zwingen. Dadurch kamen die Yachten uns zwar nicht so nah, wie wir es uns gewünscht hätten, aber dennoch konnten wir das Geschehen sehr gut beobachten.

19.10.17
Herbst am Gardasee

Montag 2.10.2017

Bei regnerischem Wetter fahren wir durch Deutschland und landen auf dem Miemiger Plateau. Wir finden ein Privatzimmer mit Frühstück bei einer älteren Dame. Alles ist so wie früher. Zugestelltes Zimmer, uralter Fernseher und eine sehr nette Wirtin. Ein Spaziergang überzeugt uns, dass das Mieminger Plateau durchaus für einen längeren Aufenthalt taugt. Wir essen in der Moosalm und erfahren, das „Der Stiegl“ in Untermieming der Gasthof ist, ‚wo alle hingehen‘. Nagut.

Bei Obermieming

Dienstag, 3.10.2017

Das Wetter bleibt trübe und diesig, wir überqueren den Brenner, verlassen die Autobahn bei Rovereto und sehen den Gardasee.  Nicht ahnend wie voll es hier ist, haben wir die Straße am Seeufer gewählt. Das erhoffte Vergnügen war arg getrübt, denn es ist sehr voll.

Langsam machen wir uns Gedanken ob es evtl. schwer werden könnte, einen Platz auf dem Camping du Parc in Lazise zu bekommen. Wir waren schon ein paarmal hier und hatten zu dieser Zeit nicht mit so vielen Urlaubern gerechnet.

In Lazise angekommen scheinen sich unsere Sorgen zu bewahrheiten: unzählige Wohnmobile und Wohnanhänger verstopfen den Parkplatz für Neuankömmlinge. Doch wir haben Glück: zwar war der Platz wirklich sehr voll, aber wir können ein schönes Plätzchen ergattern wo wir nicht von hässlichen, monströsen Wohnmobilen („Wurstbuden“) eingekeilt sind und sogar ein Stück vom See sehen.

Mittwoch, 4.20.2017

Uns gefällt es in Lazise. Zwar ist es wie alle anderen Orte am Gardasee ein reiner Touristenort, aber es ist ein hübsches Städtchen mit großen und kleinen Plätzen, vielen Geschäften und Restaurants. Und das gute am Camping du Parc ist, dass man direkt am See ist (keineswegs selbstverständlich) und wenige Minuten Fußweg uns in den Ort bringen.

Nach einigem Suchen finden wir auch den Bäcker wieder, der uns wegen seiner guten Brötchen in Erinnerung geblieben ist. Unser Favorit: Brötchen aus Hartweizengrieß (Grano Duro).

Auch wenn das Bild oben einen anderen Eindruck vermittelt: es ist sehr voll in Lazise, zu voll! Viele Urlauber verstopfen die Gassen, der wöchentliche Markt hat den Ort komplett in Beschlag genommen. Auf dem Promenadenweg, der am Seeufer nach Bardolino führt, fahren unzählige Fahrräder: das Elektrobike ist auch am Gardasee angekommen. Die Managerin auf dem Campingplatz erklärt uns, dass seit einigen Jahren der Andrang bis Ende Oktober anhält.

Aber irgendwie macht uns der Rummel nicht allzuviel aus und wir genießen das warme Wetter. Bei unserem Lieblingsbäcker (äh der einzige in Lazise) erstehen wir frische Gnocchi. Zusammen mit Asiago-Käse ergibt das unser Abendessen. Eine Reminiszenz an die Sommerreise nach Asiago früher im Jahr.

Donnerstag, 5.10.2017

Beim Durchblättern des Reiseführers entdecken wir einen Botanischen Garten der am gegenüberliegenden Seeufer im Ort Gardone liegen soll. André Heller hat diesen Garten erworben und einige Stücke aus seiner Skulpturensammlung dort platziert.

Das klingt nach einem spannenden Ausflugsziel, zumal man von Lazise aus mit dem Boot nach Gardone fahren kann. Die Fahrt geht zunächst nach Bardolino und auf diesem ersten Abschnitt ist das Boot sehr voll. Das bessert sich auf dem zweiten Abschnitt von Bardolino nach Gardone. Überhaupt scheint es – zumindest zu dieser Zeit – am Westufer des Sees wesentlich ruhiger zuzugehen als am Ostufer.

Gardone Riviera ist ein alter Badeort mit Vergangenheit. Er war Sitz der ‚Regierung‘ der von Hitler eingesetzten ‚Sozial Republik Italien‘. Man residierte im immer noch prachtvollen Grandhotel. Im günstigen Mikroklima  hat der tschechische  Naturwissenschaftler Arthur Hruska einen Botanische Garten mit über 2000 Pflanzen aus der ganzen Welt angelegt. André Heller hat diesen Garten gekauft und zu einem seiner Wohnsitze gemacht. Heller hat Skulpturen aus seiner Sammlung aufgestellt und den Garten zu „Einer Florasammlung von Weltgegenden“ gemacht. Auf verschlungenen Pfaden geht es den Hang hinauf, ständig gibt es neue Eindrücke. Teiche, Felsen, Skulpturen, spuckende Monster, Seerosenteiche à la Monet, Buddastatuen, Bambus….großartig! Ich habe dazu folgende Bildergeschichte gemacht.

Ein Klick auf unterstehendes Bild öffnet die Bildergeschichte bei Adobe Spark.

Wochenende und Rückreise

Der Besuch im Botanischen Garten von Gardone war zweifelsohne der Höhepunkt unserer Reise. Die nächsten Tage verbringen wir mit Nichtstun, Eisessen, kleinen Bummeln und Einkäufen. Im Platzrestaurant tobt zur Touristenbespaßung ein ‚Tiroler Abend‘: wer es nicht gesehen hat, glaubt es nicht.

Die Rückreise macht wenig Spaß. Viel Verkehr am Brenner, dann Stau mit Stillstand am Fernpass. Wir übernachten mal wieder auf dem Campingplatz Brunnen bei Füssen. Dort gibt es leckeren Himbeer- und Blaubeer-Cheesekake, später endlich wieder ein Essen im Gasthof am See in Waltenhofen ( https://www.hotel-schwangau.de/ ),  sensationeller Rostbraten! Am nächsten Tag

20.12.17
Adventsbesuch in Den Haag

Donnerstag, 30.11.2017

Seit Sommer habe wir die ‚museumkaart‘. Damit kommt man ein Jahr lang ohne weitere Kosten in die meisten holländischen (friesischen, limburgischen, gelderländischen….) Museen, so oft man will.  Bei der Zahl und Qualität an Museen, die es dort unter dem Meeresspiegel gibt, lohnt sich die Karte – selbst, wenn man in Kiel wohnt.

Nachdem wir nun schon ein paar Mal in Den Haag waren, wollen wir nun endlich mal ins Mauritshaus. Linda besorgte uns eine AirBnB-Wohnung in ihrer Nähe und wir juckelten für ein langes Wochenende nach Den Haag.

Nach wie immer zu langer Anreise, kommen wir in Den Haag an. Unsere Vermieter sind in der Karibik, die Schlüssel können wir in einer Sushi-Bar abholen. Wir finden eine ganz tolle, kleine Wohnung vor. Schön eingerichtet, Fernsehen, WLAN, Parkplatz vor der Tür, alles pikobello. Ein Merkzettel begrüßt uns und weist auf eine regionale Spezialität hin, die als Begrüßungsgeschenk im Kühlschrank sei. Der Kühlschrank ist nicht etwa leer, sondern gut gefüllt: Milch, Obst, Säfte,… eine lange Reise haben unsere Gastgeber wohl nicht geplant. Und die regionale Spezialität? Wir entscheiden, dass die einsame Flasche Bier der Den Haager Compaan Brauerei gemeint ist.

Leider klappt es wieder mal nicht mit dem Entrichten der Parkgebühr: es geht nur per Kreditkarte, aber  die Kreditkarte funktioniert nicht. Die zweite auch nicht, keine Chance. Gut wenn man eine Tochter hat, die Anwohnerin ist: Anwohner können über das Internet die Autonummer eingegeben und damit ist alles erledigt. Schlecht, wenn man keinen Anwohner kennt.

Freitag, 1.12.2017

Die Fahrräder haben wir in Kiel gelassen, bei den kurzen Wegen hier kann man auch mal aufs Rad verzichten: Lindas Wohnung, diverse Kneipen und auch die Innenstadt sind gut zu Fuß zu erreichen.

Gemäß unserer Absicht gehen wir schnurstracks zum Mauritshaus. Das Museum ist in einem prächtigen Stadtpalais untergebracht und wurde erst 2014 nach einer Renovierung neu eröffnet. Für besonderen Zulauf sorgt der Hype um ‚Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge‘ von Jan Vermeer. Viele kommen wohl nur, um vor diesem Bild ein Selfie zu machen.

Wie schon beim Museum ‚Escher in het Paleis‚ ist allein das Gebäude einen Besuch wert. Das Mauritshuis liegt am Hofvijver, dem Wasserbecken an den auch der Binnenhof angrenzt. Direkt neben dem Museum befindet sich – gut einsehbar – ‚Het Torentje‚ (Das Türmchen), das sechseckige Büro des niederländischen Premierministers.

Wir sind nicht die großen Kunstkenner, aber lernwillig. Dabei ist die Audioführung, die man im Mauritshuis per WLAN aufs Handy bekommt, eine gute Hilfe. Fast jedes Bild hat eine Geschichte und eine Besonderheit. Beeindruckend ist zum Beispiel die Detailtreue, mit winzige Insekten in gigantische Blumensträuße gemalt wurden.

Gar nicht winzig ist einer unserer Favoriten: Der Stier von Paulus Potter. Das Bild ist sagenhafte 3,40 Meter breit und 2,20 Meter hoch und zeigt eine Weide. Im Vordergrund steht ein junger Stier – lebensgroß! Wenn man dicht an das Bild tritt, sieht man jedes einzelne Haar und jede Fliege die auf dem Fell sitzt. Hier sind unsere Favoriten:

Auf einem Bild entdecke ich den Physiker Christiaan Huygens – jedenfalls glaube ich das. Irgendwo hatte ich das Gesicht schon einmal gesehen. Doch wie sich herausstellt, ist es nicht Christiaan Huygens, sondern sein Vater Constantijn. Um ihn herum sind Porträts seiner fünf Kinder angeordnet, darunter auch besagter Christiaan. Ich informiere mich weiter und finde eine Menge interessanter Details über die Familie Huygens, die ich zu folgender Bildergeschichte zusammengefügt habe. 

Ein Klick öffnet ein neues Tab mit der Bildergeschichte bei Adobe Spark.

Das Mauritshuis ist kein großes Museum, dennoch haben wir es unterschätzt. Unsere Energie reicht nicht für alle Exponate. Gut, dass wir die Museumkaart haben 😉

Wir bummeln noch ein wenig durchs weihnachtliche Den Haag, aber so weihnachtlich ist es gar nicht. Grundsätzlich gibt es in den Niederlanden wohl weniger Weihnachtsrummel als bei uns. Es ist sehr unterschiedlich: die einen zelebrieren es wie bei uns, andere wiederum ignorieren das Thema komplett. Und richtig los geht es auch erst, wenn Sinterklaas wieder nach Spanien abgereist ist, also am 6.Dezember.

Auf dem Weg nach Hause, kommen wir am Mesdag Panorama vorbei. Museumkaart? Ja! Das Mesdag Panorama ist ein riesiges Panoramagemälde, es zeigt den Strand von Scheveningen. Auf effektvolle Weise wird man in das Bild geführt: zunächst durch einen dunklen Gang, dann eine Wendeltreppe nach oben und plötzlich steht man mitten im Zentrum des Rundgemäldes. Der Vordergrund besteht aus echtem Sand und der Übergang in das Gemälde ist zur schwer zu erkennen. Eine perfeke Illusion.

Panorama Mesdag

Samstag, 2.12.2017

Als wir nach dem Frühstück Lindas Wohnung verlassen, laufen wir sofort Sinterklaas und seinem Zwarte Piet in die Hände. Ich hatte die beiden beim Schlachter gegenüber entdeckt und versucht Fotos zu machen. Das hatte Sinterklaas entdeckt. Er kam über die Straße zu uns herüber. Auha, kommt jetzt die Rute? Zum Glück nicht. Ganz Profi stellte sich der gute Mann hin und posierte für ein Bild.

Zwarte Pieten auch im Fred, der Frederik Hendriklaan. Die schöne Einkaufsstraße ist wie an jedem Wochenende gut besucht. Etwas Weihnachtsschmuck, die ersten Tannenbaumverkäufer, Olijebollen.

Eine Kombo geschwärzter Blasmusiker zieht durch die Straße. Zwarte Pieten verteilten Pepernoten und machten Quatsch. Einer versuchte einer älteren Dame DAB-Dance beizubringen. Viele Passanten singen die Lieder mit. Alle textsicher.

Seit einiger Zeit sehen sich die Zwarten Pieten Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Es kam sogar zu gewalttätige Übergriffen auf Sinterklaas-Umzüge. Die in Deutschland lebende Holländerin Alexandra Kleijn hat auf ihrem buurtalblog einen guten Text dazu geschrieben.

Wir gehen weiter zum Hafen und kehren im Rootz ein, eine Kneipe mit einer beeindruckenden Bierkarte. Leider funktioniert der Service nicht optimal. So müssen wir lange auf unsere Borrelhapjes  warten, speziell ich auf meinen ersten Bitterballen. War ok.

Simonis hat den Fischhandel in Den Haag fest im Griff, überall gibt es Simonis Fischbuden. Simonis im Hafen von Scheveningen ist sogar das Ziel von Touristenbussen. Und er ist auch wirklich sehenswert. Wir kaufen Fisch für das Abendessen. Als zusätzliche Leckerei gibt es hauchdünne Tunfischscheiben.

Sonntag, 3.12.2017

Der holländische Dichter und Politiker Jacob Cats begann um 1640 herum, einen Bauernhof zu seinem Wohnhaus umzubauen und die umgebende Dünenlandschaft in einen englischen Park zu verwandeln. Haus und Park gibt es heute noch: der Park ‚Sorghvliet‘ ist von einer hohen Mauer umgeben und das ‚Catshuis‘ ist eine Residenz des niederländischen Ministerpräsidenten. Auch für Empfänge und Konferenzen wird das Catshuis genutzt. Mächtige Staatsoberhäupter wie Obama, Merkel, Hollande, Cameron und Mandela waren hier zu Gast. Besonders unangenehme Gäste gab es während des Zweiten Weltkriegs: deutsche Besatzer nutzten das Gelände für den Abschuss von V2-Raketen mit dem Ziel London.

Unser sonntäglicher Spaziergang führt uns in den Park. Es ist ein ruhiges Stück Natur mitten in der Stadt, welches sicher im Frühjahr noch schöner wirkt, aber auch an einem trüben Wintersonntag seinen Reiz hat.

Nach einer ausgiebigen Runde durch den Park gehen wir weiter zum Gemeentemuseum. Zunächst stärken wir uns im museumseigenen Café Gember, dann besuchen wir die aktuelle Austellung über die Stilrichtung ‚Art Deco‘. Es geht hauptsächlich um den französischen Modedesigner Paul Poiret der auf diesen Designstil starken Einfluß gehabt hat.


Odde, eine hauptsächlich in unserer Familie geläufige Form des Ausdruckstanzes.

Eine Parallelausstellung handelt von Picasso und seinem Freund Julió Gonzales. Dieser half Picasso, einige seiner zweidimensionalen Werke in Metallskulpturen zu übertragen. Wir entdecken sogar eine ‚Odde‘, eine Skulptur mit der diese bisher nur in unserer Familie praktizierten Form des Ausdruckstanzes dargestellt wird.

Im Anschluß schauen wir uns noch ein paar Bilder von Piet Mondrian an, die bei unserem letzten Besuch zu kurz gekommen waren. Das Mondrianjahr neigt sich dem Ende zu, aber die meisten Bilder gehören ohnehin zum Bestand des Museums.

Unabhängig von dem was dargeboten wird, ist immer wieder auch das Gebäude selbst eine Attraktion. Das Museum wurde von H.P. Berlage ebenfalls im Art Deco Stil entworfen und zählt zu den schönsten Museumsbauten Europas.

Montag, 4.12.2017

Unseren Plan nach Amsterdam zu fahren um in der touristenarmen Zeit das Rijksmuseum und das Von Gogh Musum zu besuchen haben wir schon am Vorabend fallen gelassen. Uns reichen die zwei Museumstage erst einmal.

Mit der Straßenbahn fahren wir ans Meer, nach Scheveningen. Wo gibt es das schon? Mit der Straßenbahn zum Strand! Über die häßliche Bebauung der Promenade habe wir uns schon mehrfach echauffiert, gewöhnen werden wir uns nie daran. Am Besten man macht es wie die ‚Spookjesbelden‘ : Man dreht den Bauten den Rücken zu und blickt aufs Meer.

Spokjesbelden Scheveningen

Winter in Scheveningen

Das ist an diesem Tag aber auch besonders sehenswert. Ein käftiger Wind hat eine beachtliche Welle aufgebaut, wir machen bei herrlichem Sonnenwetter einen schönen Strandspaziergang.

Anschließend bummeln wir die Kaizerstraat hinunter. Einige Geschäfte sind weihnachtlich hergerichtet. Die Schaufenster eines sonst schmucklosen Heizungsgeschäfts wurden mit allem dekoriert, was ich aus Kindheitstagen kenne: Eisenbahn, Eisläufer, die mit Magneten über einen See aus Glas bewegt werden, Puppen und Figuren, alles in Bewegung.

Weil wir noch eine Postkarte vom ‚Puttertje‘ (‚Der Distelfink‘ von Carel Fabritius) kaufen möchten, fahren wir mit der Straßenbahn ins Stadtzentrum und gehen erneut ins Mauritshaus.

Pepernoten

Kruidnoten der Geschmacksrichtung Trüffel und Karamell.

Beim anschließenden Stadtbummel entdecken wir einen Laden der ausschließlich ‚Pepernoten‘ bzw. ‚Kruidnoten‘ verkauft. Mit Peffernüssen wie wir sie kennen haben diese kleinen Leckereien wenig gemeinsam. Sie sind etwas größer als ein Cent-Stück und bestehen aus einem knusprigen, leckeren Teig mit typisch weihnachtlichem Geschmack. Neben den einfachen Pepernoten gibt es noch Kruidnoten, das sind Pepernoten mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen: Trüffel, Karamel/Meersalz, Weiße Schokolade…

Am Plein, dem großen Platz im Regierungsviertel besuchen wir ein Kaffe, wo es Koffie Verkeerd mit Appeltaart gibt. Auf dem Weg zurück zu unserer Wohnung läuft uns Staatschef Mark Rutte über den Weg: zu Fuß, keine Bodyguards, Handy am Ohr. Wir können es kaum glauben, aber wenn er es nicht war, war es ein 100% Doppelgänger.

Der Plein mit den wenigen aber auffälligen Wolkenkratzern Den Haags

Dienstag, 5.12.207

Heute ist Reisetag und ‚pakjesavond (=Päckchenabend)! In Holland spielt dieser Tag vor Nikolaus ungefährt die Rolle, wie bei uns Heilig Abend – zumindest bezüglich der Geschenke, zumindest für die Kinder. Ein Feiertag ist es nicht: die Geschäfte haben geöffnet, die Kinder gehen zur Schule.

Früh geht es zum nahe gelegene Supermarkt, um Brötchen fürs Frühstück zu besorgen. Gestern gab es für den Laden eine Lieferung Tannenbäume, heute sind sie ausverkauft. Auch die Berge von Pepernoten, die ich gestern noch bestaunte sind deutlich geschrumpft.

An einem Platz stehen vier große Reisebusse, dazu lautes Kindergeschnatter. Der Platz ist voll mit Kindern. Ein Moderator animiert sie zu Weihnachtsliedern. „Sinterklaas, Sinterklaaas, Sinterklaas“ tönt es wie im Fußballstadion. Und dann kommt ER: Begeisterung!

Nach dem Frühstück ziehen wir weisungsgemäß die Tür unserer Wohnung zu, schließen ab und werfen den Schlüssel durch den Briefkastenschlitz. Leider zu früh, wie sich zeigt, denn mein Rucksack, steht noch in der Wohnung.  Im Rucksack sind Computer, Kamera, Ausweise, Kreditkarten, Geld,  etc.

Schnell wird uns klar, dass es keine Chance gibt, wieder in die Wohnung zu kommen: der Schlüssel liegt unerreichbar im Flur, die Besitzer sind in der Karibik. Wir verabreden mit Linda, dass sie den Rucksack abholt, wenn die Wohnungsbesitzer zurück sind und ihn beim Weihnachtsbesuch mitbringt.

Die Heimfahrt verläuft ohne Zwischenfälle.