31.07.19
(Kein) Donnerwetter

Heute nacht hat es wohl gewittert, Ich habe nichts davon gehört, mein Schnarchen wird den Lärm übertönt haben. Es war wohl nicht das Grollen der fernen Karin wegen der zerbrochenen Figur, denn den Schaden, den ich gestern anrichtete, trägt sie mit Fassung. Sie vertraut auf das Bastelgeschick ihres Gatten. Auch ist der Schaden möglicherweise auch geringer als befürchtet, es sieht so aus, als sei die Figur sogar heil geblieben. Erleichtert wende ich mich dem Brötchenerwerb zu.

Wenn das Problem des Bäckers im letzten Jahr noch sein automatisches Wechselgeldsystem war (er wieder abgeschafft), ist es nun sein Kaffeetisch. Diese Einrichtung ist offenbar so beliebt, dass morgens kaum ein Tisch frei bleibt. Um die Gäste kümmert sich dieselbe Person, die auch für den Verkauf zuständig ist. Mehr Personal scheint trotz des Erfolgs der Kaffeetafel nicht drin zu sein. Doch während die Dame mit der angemessenen Engelsgeduld Wurst und Käse drapiert, wächst die Brötchenschlange zu Tür hinaus…

Nicht zuletzt aus Sorge, von der Bremerhavener Bürgerwehr wegen Behinderung des Fußverkehrs belangt zu werden, gehen ich in den Supermarkt. Vielleicht wartet der Bäcker im nächsten Jahr ja wieder mit einer Neuerung auf: ein Brötchenautomat.

Das Wetter ist belastend und so verspüren wir wenig Lust auf Unternehmungen. Am Nachmittag gehen wir dann zu Thieles Garten.

Wir hatten das schon bei unserem letzten Besuch vor, damals war der Park aber wegen einer Veranstaltung gesperrt. Thieles Garten ist etwas Besonderes. Es ist ein Künstlergarten, der mitten in einem langweiligen Wohngebiet liegt. Georg und Gustav Thiel waren autodidaktische Künstler, die einer Schifferfamilie entstammen und die in den 1920er Jahren zusammen mit Georgs Frau Grete damit begonnen  einen Kartoffelacker in einen verwunschenen Garten zu verwandeln. Sie legten Teiche und Wege an, stellten Plastiken auf und bauten ein Haus im maurischen Stil. Sie errichteten den Garten nun für sich privat. Heute kümmert sich ein Förderverein um die 19000 m2 große Anlage, die für jedermann frei zugänglich ist. „Ob Kunst oder Kitsch – das  mag jeder für sich selbst entscheiden“, sagt der Förderverein. Ein besonderer Ort ist es auf jeden Fall.

In Bremerhaven muss lange Zeit kein Regen gefallen sein, es ist viel trockener als in Kiel. Die Straßen sind voll mit vorzeitig abgeworfenem Laub und Früchten von Linden und Eichen. Auch Thieles Garten bekommt die Dürre zu spüren. er weist viele Wasserflächen auf, doch die meisten von ihnen sin komplett ausgetrocknet.

Das Abendprogramm übernimmt die Nachbarschaft, die den Bürgersteig vom wegen Dürre frühzeitig gefallenen Laub befreit… mit dem Laubbläser! Vorbei sind die Zeiten in denen man dererlei klimaneutral und geräuscharm mit dem Besen erledigen musste.

Harry Hirsch
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