21.03.20
FrĂŒher Vogel 🩠

‚PĂŒppi‘ war der wenig schmeichelhafte Spitzname einer ehemaligen Kieler OberbĂŒrgermeisterin, der der Ruf anhaftete, nicht sehr viel zu bewegen. Ihre auffĂ€lligste Maßnahme erfreut die Kieler bis heute: die Bepflanzung öffentlicher RĂ€ume mit Blumen, speziell mit Tulpen und Narzissen.

Die WochenmĂ€rkte verzeichnen seit Beginn der Epidemie 30-40% mehr Umsatz. Der frischen Luft vertrauen die Leute mehr, als der Enge der SupermĂ€rkte. Da ich einen Ansturm befĂŒrchte, fahre ich sehr frĂŒh zum Exerzierplatz. Die Sonne scheint, aber eisiger Ostwind  macht die Sache ungemĂŒtlich, zumal er die ganze Zeit von vorne kommt. Gestern war FrĂŒhlingsanfang.

Ich bin schon vor der offiziellen Öffnungszeit auf dem Wochenmarkt, aber es lohnt sich: es sind nur sehr wenige Leute da. Mit Absperrungen, FlatterbĂ€ndern und Barrieren versuchen die Marktbetreiber dafĂŒr zu sorgen, dass die geforderten SicherheitsabstĂ€nde eingehalten werden. „Öko Jochen“ ist noch am Aufbauen, als ich an den Stand komme. Er bittet mich, mit sechs Eiern Vorlieb zu nehmen, „damit fĂŒr alle etwas da ist“.  Schnell habe ich GemĂŒse, Lachsforelle und Tulpen gekauft und mache mich auf den Heimweg, dieses Mal mit RĂŒckenwind. Im Supermarkt kaufe ich noch Wein. NotdĂŒrftig schĂŒtzt sich die Kassiererin mit Plastikfolie in einem Holzrahmen vor infektiösen Kunden.

Die schlimmsten Corona Nachrichten kommen aus Italien: die Zahl der Toten ist drastisch in die Höhe gegangen: ĂŒber 600 in 24 Stunden.

Am Nachmittag bittet mich Hans-Heinrich ihm zu helfen, seinen Fernsehsessel aus dem Keller hochzuholen. Das Erdgeschoss ist seit Tagen leer gerĂ€umt, weil der Fußboden neu gemacht wurde. Die Zeiten sind ungĂŒnstig in Situationen, in denen man ein paar helfende HĂ€nde gebrauchen kann.