Helmut Heißenbüttel: Meditation über das Lesen

Quelle (Schreibheft. Zeitschrift für Literatur, Heft 67)

„Lesen“, so heißt es in dem 1955 herausgegebenen siebenten Band des Neuen Brockhaus: „ist Sinndeutung geschriebener oder gedruckter Zeichen oder Zeichengruppen; es zu lehren ist Aufgabe des Leseunterrichts.“


Das sind zweifellos zwei einfache Sätze ohne umständliche Bestimmungen oder langatmige periodische Verklausulierungen. Zweifellos bezeichnen sie auch etwas, was zumindest dem Europäer oder Nordamerikaner der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einfach erscheint, eine Tätigkeit, die so gut wie jedermann ausüben kann und die er tatsächlich fast zu jeder Tageszeit ausübt: lesen. Unser Tagesdasein ist umstellt von Schildern und Ziffern, von überall her, selbst im tiefsten Dickicht des Waldes oder am einsamen Strand wird uns etwas entgegengehalten, was wir, es lesend, beachten sollen; unzählige Male vergleichen wir die Zahlen der Uhrzeit, die Nummern von Verkehrsmitteln, Verkehrsschildern usw. Kein Tag vergeht, ohne daß wir eine Zeitung, einen Brief oder auch ein Buch lesen. Selbst der Rundfunk verleitet uns zum Lesen von Programmzeitschriften, und das geschmähte Fernsehen verzichtet nicht darauf, an bestimmten Zäsuren nicht Bilder, sondern Schrift zu zeigen. Lesen, so scheint es, gehört zu unserem Leben wie Essen, Trinken und Schlafen.
Dennoch, wenn man die Erklärung des Lexikons näher betrachtet, sieht man, daß fast nichts an dieser so selbstverständlich wirkenden, so mit dem Tonfall der Selbstverständlichkeit auftretenden Erklärung einfach ist. Was soll man unter Sinndeutung verstehen? Was unter gedruckten oder geschriebenen Zeichen? Was sind Zeichen oder Zeichengruppen? Inwiefern wird das Lesen dadurch erklärt, daß es in Abhängigkeit gesetzt wird zu Schrift und Druck, was bedingt da was? Daß Lesen an Schrift, geschriebene oder gedruckte, gebunden ist, daß jeder andere Gebrauch dieses Verbs nur in übertragenem bildhaften Sinn verstanden werden kann, das erscheint uns selbstverständlich. Aber erklärt es etwas? Daß man an die Stelle des Wortes „Buchstabe“ das allgemeinere Zeichen setzt, erscheint uns nicht ungewöhnlich, aber macht es die Erklärung nicht im Grunde komplizierter statt einfacher? Wer sich mit neueren Theorien von Zeichen beschäftigt hat, weiß sogar, daß nicht nur Buchstaben als Zeichen auftreten können, sondern auch ganze Wörter, ja Sätze und Absätze. Welcher Verwirrung ist da Tür und Tor geöffnet!
Ich übertreibe natürlich. Der Satz, den ich im Lexikon gefunden habe, soll nicht bedeuten, daß man aus dieser Erklärung ablesen könne, um welch eine Erscheinung es sich bei dem erklärten Begriff nun ein für allemal handelt; der Satz stellt vielmehr einfach etwas fest, was für den Leser und Benutzer des Lexikons sich sowieso als unumstößliche Tatsache herausgestellt hat. Der Satz stellt fest, daß Lesen und Schrift, handschriftliche wie gedruckte, nicht voneinander zu trennen sind und einander bedingen und daß die Schrift aus Zeichen und Zeichengruppen besteht, daß in so etwas wie geschriebenen oder gedruckten Zeichen etwas darinsteckt, was man durch eine bestimmte Tätigkeit, nämlich lesen, aus ihnen herausholen kann.
Der durch ein Semikolon abgetrennte Nachsatz besagt darüber hinaus, daß diese Tätigkeit erlernbar ist und daß es einen Unterricht gibt, in dem man sie lernt. Über die Methoden und Gewohnheiten dieses Unterrichts verbreitet sich das Lexikon übrigens im folgenden noch sehr ausführlich, bezeichnend dafür, daß dieser Unterricht etwas weitaus besser Erklärbares zu sein scheint.
Oder nicht? Sollte das Erlernen einer Tätigkeit tatsächlich leichter zu erklären sein als diese Tätigkeit selbst? Ist einfach das leichter erklärbar, was man praktisch, auf verschiedene Weise, jemandem übermitteln kann; leichter erklärbar als das, was man immer nur auf die eine Art tut, worüber es jedoch keine Meinungen, Theorien und Streitgespräche geben kann? Denn lesen heißt lesen. Man kann es tun oder nicht, man kann jedoch nicht verschiedener Meinung darüber sein oder sich darüber streiten.
Kann man es nicht? Merkwürdigerweise gibt es Theorien und Hypothesen über die sinnliche Wahrnehmung, über die Sprache im allgemeinen, über Sprachsysteme und ähnliche große Allgemeinheiten, doch nicht über das Lesen. Die Informationstheorie, die von außen besehen hier eine Lücke zu füllen scheint, beschäftigt sich im Grunde nur mit der Frage, wie weit Schrift- oder Lautbild verstümmelt sein dürfen, damit man den darin enthaltenen Inhalt, die dadurch vermittelte Nachricht noch richtig entziffern kann; also mit einem Spezialgebiet des Lesens, das nur unter ganz besonderen Bedingungen für einen Lesenden wichtig wird; etwa wenn er die Aufschrift eines verwitterten Schildes lesen will oder einen unvollständigen Telegrammtext oder ein zerstörtes historisches Schriftstück oder gar eine Geheimschrift, deren Schlüssel er nicht kennt.
Im Grunde ist die Antwort darauf, was Lesen sei, in jedem Vorstoß, den ich bis hierher unternommen habe, komplizierter geworden. Einzelheiten und Folgerungen legen sich wie Fangstricke um den einfachen Gedanken und zerren ihn hierhin und dorthin. Was heißt lesen? Die Komplikationen, die eine einfache Antwort verstellen, scheinen, so könnte man aus dem bisher Gesagten folgern, eben darin ihren Grund zu haben, daß lesen eine ganz einfache und völlig unreflektierte Tätigkeit ist oder geworden ist. Und wie alles, was so vollkommen in die Handlungsweise unseres täglichen Tuns eingegangen ist, scheint auch diese Tätigkeit jenseits (oder diesseits) der Erklärbarkeit zu stehen. Etwas Elementares, was nur der Philosoph in einem das ganze menschliche Tun erfassenden Begriffssystem zu deuten vermöchte. Kein Philosoph hat das ausdrücklich getan. Liegt es daran, daß Lesen sich weniger leicht in eine bestimmte Begrifflichkeit bringen läßt, daß es tatsächlich nicht etwas Elementares ist, kein Phänomen, sondern eben nur eine Tätigkeit, die erst auf einer bestimmten Stufe menschlicher Kultur erfunden und erworben worden ist; und erst auf der Stufe der sogenannten Zivilisation selbstverständlicher Allgemeinbesitz? Ich möchte an dieser Stelle noch einmal von vorn beginnen. Vieles ist angedeutet worden, vielleicht bereits zu viel, als daß man es noch so ohne weiteres auf einen Nenner bringen könnte. Was heißt lesen?
Vielleicht sollte man hier zuerst einmal sagen, daß das Lesen nur zusammen gesehen werden kann mit dem, was allein der Mensch entwickelt hat, mit Sprache. Zwar spricht man auch von der Sprache der Tiere, aber doch nur im vage übertragenen Sinn, denn den wiederkehrenden Lautzeichen etwa der Vögel oder Säugetiere fehlt die künstlich hergestellte Artikulation und die Wiederholbarkeit dieser Artikulationen innerhalb eines Sprachganzen, in dem jeder Laut seinen bestimmten Platz hat. Die heutige Sprachwissenschaft hat gezeigt, daß gerade diese Bestimmung der einzelnen Sprachteile innerhalb eines Sprachganzen sich stufenweise verfestigt hat. In primitiven Sprachen urweltlicher Naturvölker ist der Wert der einzelnen Artikulationen noch vieldeutig und unfest, in den hochspezialisierten Sprachen der westlichen und östlichen Kulturvölker dagegen bis auf geringste Nuancen vorbestimmt. Diese Festlegung der Artikulationen, der gesprochenen Silben, Wörter, Sätze hat ihren Grund darin, daß mit Hilfe dieser Rede etwas bezeichnet werden soll, was sich nur so und auf keine andere Weise bezeichnen läßt. Man sagt, die Sprache hat Inhalt, sie hat Sinn, ist nicht sinnloser, wahlloser oder nur vom überwältigenden Gefühl bedingter Laut, einmalig und unwiederholbar. Aber was heißt das, daß Sprache Inhalt hat und Sinn? Ist das etwas, was vorher da ist und nun in die Silben, Wörter, Sätze hineinkriecht? Sprache besteht zu einem entscheidenden Teil aus Namen. Indem er spricht, benennt der Mensch Dinge, mit denen er umgeht, denen er begegnet, schließlich auch seinesgleichen und dann sich selbst.
Dinge und Personen werden in der Sprache aufgehoben als Namen, die weniger veränderlich erscheinen als das Benannte selbst. Zu den einfachen Namen treten Ergänzungen, die Eigenschaften bezeichnen ,oder Attribute, die der Sprechende dem Benannten gibt. Von den Attributen geht die Sprache weiter zu Verknüpfungen von Namen und Namensergänzungen. Aus den Verknüpfungen entwickeln sich Schemata, Modelle, nach denen der Sprechende Benanntes zueinander in Beziehung setzt und zugleich auch sich selbst zum Benannten. So entsteht der Satz. In den indogermanischen Sprachen verfährt er nach dem Modell, das den Sprechenden oder seinen Stellvertreter als Mittelpunkt vorstellt (als Subjekt, wie es grammatisch heißt), das gegenüberstehende Benannte als Welt, in der der Sprechende vorhanden ist, zwischen beiden aber ein hin- und herfließendes Etwas, die Bezeichnung des Verhältnisses, der Reaktionen und der Aktionen, in denen der Mittelpunkt zu dem um ihn herum Vorhandenen steht, dargestellt durch das Tätigkeitswort, das Verb, das Prädikat. Im Prädikat zeigt sich, wie was zu was steht.
So gesehen ist Sprache zunächst ein höheres Orientierungsmittel, eines, das im Gegensatz etwa zu den Fühlern eines Käfers oder dem Geruchssinn eines Hundes nicht unmittelbar an etwas Körperliches gebunden ist, sondern sich selbständig zu machen vermag, ja selbstherrlich ein sozusagen eigenes Leben führen und das Leben seines Erfinders, Trägers und Benutzers verändern und leiten kann. Indem der Mensch die Sprache zu einem Orientierungsmittel entwickelt hat, das sich über die bloße Benennung von Sachen und Personen und über die Verknüpfung solcher Benennungen hinaus gegen sich selbst, auf sich selbst zu richtet und, gleichsam spiegelnd, den Sprechenden vor sich selbst bringt, entsteht das, was nun schon in einer abgeleiteten Sprechweise Bewußtsein und Selbstbewußtsein genannt wird. Vorstellung, Erinnerung, Assoziationen, die nach Angabe der Psychologen auch bei Tieren festzustellen sind, haben in der Sprache einen Ort, an dem sie festgehalten, bewahrt und beliebig oft betrachtet, bedacht und wiederholt werden können. Ja, im äußersten Fall könnte man so weit gehen zu sagen, daß ein Sprachraum, der Bereich einer bestimmten Sprachtradition, ein fast unabmeßbares, objektiv verfügbares Gedächtnis darstellt, das aufbewahrt, was es in sich aufgenommen hat über alle Zeiten hinweg, solange Menschen in der Lage sind, die Zusammenhänge innerhalb dieses Reservoires zu erkennen und zu deuten.

Zusammenhänge zu erkennen und zu deuten. Wie tun sie das? Hier treffen wir auf die Rolle, die die Schrift in ihrem Ursprung einnahm. Sie sollte das, was schon in der gleichlautenden Artikulation der mündlichen Überlieferung aufbewahrbar war, noch dauerhafter erhalten. Die Flüchtigkeit der Artikulationen wurde übertragen in verkürzte, schematisierte Bildelemente, aus denen sich zum einen komplexe Schriftzeichen, zum andern Buchstaben entwickelten. Was für die Sprache als etwas Gesprochenes gilt, gilt für die Schrift in einem übertragenen Sinn noch stärker. Alles wird wiederum neu abgeleitet und auf seine neuen Bedürfnisse hin systematisiert. Schrift ist niemals unmittelbar Sprache gewesen, hat sich vielmehr immer erst in Sprache eingefügt, manchmal allerdings auch Sprache verändert, sie mit neuen Zügen versehen, ihren Zusammenhang verschoben, ihre Bedeutungen in andere Richtungen gelenkt.

Aus der Schrift nun, hier haben wir es endlich, auf das Gesprochene zu schließen, es zu entziffern als einen bestimmten Redezusammenhang, das nennt man: lesen. Lesen ist damit so etwas wie Hören über eine Zwischenstufe hinweg. Rede verstehen lernt das Kind, indem es nachahmt, was es hört. Im Eindringen in das Verständnis der Sprache, die man Muttersprache nennt, gewinnt das Kind das, was der Mensch durch Sprache gewann, als er sich über das Tier erhob: Bewußtsein seiner selbst. Schreibend und lesend (denn diese Tätigkeiten sind nur schwer voneinander zu trennen) lernt das Kind, sich der Sprache bewußt zu werden. Indem aus der Schrift, die Sprache aufbewahrt und in ein eigenes System übertragen hat, wiederum Sprache erschlossen wird, geschieht das Sprechen und Zuhören nicht mehr nur als ein Akt der Verständigung, der unmittelbaren Selbstorientierung, der Kommunikation, wie man heute gern sagt; es wird hinübergehoben in einen neuen Verständnisraum. Sprache erscheint als etwas, was den Sachen, aus denen sich Welt zusammensetzt, gleich ist und doch in dieser Gleichheit, als eine Mischung aus Materialität und Vorstellung, ihnen überlegen. Durch Schrift wird Sprache etwas, was nun endgültig ganz und gar eigener Art ist. Schrift zu haben, bedeutet die große Wende in der kulturellen Entwicklung von Völkern und Sprachfamilien. Vielleicht ist es an dieser Stelle gestattet, noch einmal zu dem erklärenden Satz aus dem Lexikon zurückzukehren, von dem ich ausgegangen war. „Lesen ist Sinndeutung geschriebener oder gedruckter Zeichen oder Zeichengruppen“, so hieß es da.
Sinndeutung, das läßt sich nun erkennen, ist einmal Arbeit der Entzifferung, der Rückführung von Schrift in Sprache, zugleich aber auch Einsicht in den selbständigen Sinnzusammenhang eines durch Schrift fixierten Sprachraums. Zeichen und Zeichengruppen repräsentieren diese besondere Erscheinungsart der Sprache, sie stehen nicht für sich selbst, sie sind Zeichen für etwas, nämlich dafür, daß Sprache in Schrift verwandelt eben jenen höchsten Sinnbezug zu entwickeln vermag, dessen der menschliche Geist fähig ist. Indem Sprache auf einer neuen und längere Dauer garantierenden Stufe fixiert wird, vermag sie das zu tun, was sie im mündlichen Bereich nur mit Mühe kann, sie kann Sinndeutungen versuchen, die weit über das Schema einfacher Bezugsverhältnisse hinausgehen. Die Abstraktion begrifflichen Denkens ist an Schrift gebunden. Sie zu erfahren vermag, möge er auch das meiste mündlich erklärt bekommen, schließlich nur der Lesende.
Von diesem Punkt aus läßt sich zurückblicken. Lesen ist eben nicht einfach nur Entziffern; nicht nur einfach das, was man im Leseunterricht der Grundschule lernen kann. Lesen bedeutet, sich in den Raum der Sprache hineinbegeben, sich in ihm verlieren und wiederfinden, sich in ihn einschließen, gleichsam seiner körperlichen Tätigkeitswerkzeuge entledigt, in ein neues Weltsystem aufgenommen und mit neuen Sehorganen, Gliedern und kombinatorischen Fähigkeiten begabt, sich in Gebäuden bewegen, die ein unabsehbar längeres, dauerhafteres und reineres Leben versprechen, als es das körperliche, menschliche, hiesige ist.
Bibliotheken werden daher als zauberhafte Orte empfunden, an denen Zeit wenig gilt. Der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges hat einige seiner besten Geschichten darüber geschrieben. Große Lesende, wie Hieronymus im Gehäus, sind Weltabwesende, der Löwe spielt friedfertig zu ihren Füßen. Die Welt, die die körperlichen Sinne erfassen und dem Gedächtnis einprägen, wird zum Schein vor dem scheinhafteren, aber mit gleichsam übersinnlichen Organen zeitloser erfaßbaren Dasein, das im Lesen die Schrift dem Lesenden öffnet und offenbart.
Aller Zauber des Lesens beruht darauf, daß Lesen zu entrücken vermag. Man merkt es Büchern an, ob sie Nachzeichnungen der Rede sind oder ob sie für sich, für Schrift verfaßt wurden. Die Homerischen wie die mittelalterlichen Epen, die Reden Buddhas wie der Koran haben bei aller Großartigkeit und Originalität wenig von jenem Element, das schließlich den Zauber der Bücher ausmacht; das Fluidum der Illusion, die sich nicht als Illusion, sondern als realer empfindet gegenüber der Welt des Handgreiflichen. Daß die Bücher des Neuen Testaments dies Fluidum haben, spricht dafür, daß sie nicht als Nachzeichnung von Rede, sondern schriftlich entstanden sind. In diesem Fluidum der Illusion besteht offenbar eine geheime Korrespondenz zu jener Art von Selbstbewußtsein, in der der Mensch den Innenraum seiner persönlichen Vorstellungswelt empfindet. Das Geheimnis jenes Bereichs, in den die Einbildungskraft sich mit den Bildern, die das Gedächtnis gesammelt hat, verliert, korrespondiert, so scheint es, mit dem Geheimnis, das Bücher ausstrahlen. Diese Strahlkraft wird um so unwiderstehlicher, je weiter ins Immaterielle, ins Abstrakte, wie man sagt, die Sprachzusammenhänge abgezogen werden. Dort, wo die Welt nun fast vollständig ins Wechselspiel und Vexierbild des Begrifflichen verwandelt erscheint, wie etwa in der Phänomenologie des Geistes von Hegel, empfängt den Lesenden tatsächlich so etwas wie die Erlösung von irdischer Vergänglichkeit. Den Lesenden, nur ihn. Denn nur er vermag sich in diese Sprache, die ihrem Wesen nach ganz Schrift geworden ist, hineinzufinden. Nur er kann die Schrift entziffern und erlösen in jene unvergleichliche Akrobatik des Gedankens, die dennoch lesend, immer wieder neu erfahrbar ist.
Der Weg war weit. Vieles ist nicht gesagt worden. Was heißt lesen? Kann man es erklären? Wissen wir es jetzt besser?

(1964)