Gartenreich Wörlitz und Elbauen đŸš™đŸ“·

Mal wieder durchkreuzt das Wetter unsere UrlaubsplĂ€ne: fĂŒr den ganzen SĂŒden – beginnend mit dem AllgĂ€u und nicht endend mit der MittelmeerkĂŒste – hat der Wetterbericht Regen, Schnee und andere ungemĂŒtliche Dinge im Angebot. Das beste FrĂŒhlingswetter wird fĂŒr den Nord-Osten angesagt. Aus dem Norden kommen wir grade, also ab in den Osten!

Gartenreich Wörlitz

Das Gartenreich Wörlitz sollte es sein. Es steht schon lÀnger auf unserer Liste, ein weitlÀufiges Gebiet in der NÀhe der Elbe. Parks, GÀrten, Schlösser, alles als UNECO Weltkulturerbe geadelt. Am besten erfahrbar mit dem Rad.

Da wir keine geeigneten CampingplÀtze inmitten dieses Gebiets kennen, wÀhlen wir eine Ferienwohnung in Wörlitz, mitten im Zentrum des Geschehens. In drei Stunden erreichen wir sie von Hofgeismar aus. Madam ist nicht zu Hause, das Wetter ist bestens, also erkunden wir den Wörlitzer Park.

Der Wörlitzer Park ist eine tolle Mischung aus freier Natur (Elbauen), Parklandschaft, Schlössern, Tempeln und Fantasiebauten, Ă€hnlich wie der Park Wilhelmshöhe in Kassel nur ganz anders. Keine Berge, dafĂŒr fĂŒnf Inseln, die mit handbetriebenen FĂ€hren erreichbar sind.

Im KĂŒchenhaus finden wir einen schönen Platz wo wir im Freien deftige LandeskĂŒche (Krautwickel) angereichert mit auslĂ€ndischen SpezialitĂ€ten (Marillenknödel) genießen.

Die Ferienwohnung entpuppt sich als aufgemotzte Datsche im Garten eines Einfamilienhauses. Überkomplett ausgestattet, nicht ganz unser Geschmack aber OK. Der grĂ¶ĂŸte Teil des Gartens wird durch den Stolz der Hausherrin beherrscht: ein ĂŒberdachter Pool in GewĂ€chshausoptik. FĂŒr die GerĂ€uschkulisse sorgen HĂŒhner bzw. HĂ€hne zur hahnentypischen Uhrzeit. Am Ende des zweiten Rundgangs durch den Park der uns auch zum kĂŒnstlichen Vulkan auf der Insel Stein fĂŒhrt, versuchen wir in einer der zahlreichen GasthĂ€user ein Abendbrot zu bekommen. Das ist zu dieser Zeit schwierig: ab 18:00 Uhr ist Feierabend. Im ‚Wörlitzer Hof’ klappt es dann, wenn auch mit unangemessen steifer Bedienung.

Kraftwerk und Biber

Wir nehmen die RÀder und fahren auf guten Wegen nach Vockerode. Dort steht ein stillgelegtes Kraftwerk, ein riesiges BacksteingebÀude. Von Vockerode geht es durch den Wald in Richtung Oranienbaum vorbei an Deutschlands einziger Biberfreianlage.

Also die Biber sind nicht frei sondern großrĂ€umig eingezĂ€unt, aber es ist eben ein Freigehege und die Nager leben in ihrer natĂŒrlichen Umgebung. Leider war die Anlage geschlossen (Vorsaison), aber auch vom frei zugĂ€nglichen Beobachtungspunkt aus konnte man keine Biber sehen. DafĂŒr allerdings reichlich Spurern ihrer Artgenossen, die wirklich frei sind: BiberdĂ€mme, kegelförmig abgenagte BaumstĂ€mme. Auch ohne Biber, war dies eine tolle Radstrecke.

Oranienbaum

Die Stadt Oranienbaum wird wegen ihrer barocken, rechtwickligen Stadtanlage gerĂŒhmt. Im Zentrum ein riesiger Marktplatz mit Orangenbaumbrunnen (die GrĂŒnder stammen tatsĂ€chlich von den Oranjern ab, denen auch der hollĂ€ndische Fußballer ihre orangenen Trikots verdanken). Der Sanierungsbedarf ist noch sehr hoch, das Schloss erhĂ€lt gerade die dringend notwendige GeneralĂŒberholung und auch andere in den Werbeunterlagen hervorgehobenen historischen Bauten sind teilweise mit Brettern vernagelt und warten auf den neuen Anstrich.

AuffĂ€llig viele Projekte (auch der Europaradweg R1, den wir teilweise nutzen) werden von der EU gefördert. MerkwĂŒrdig, dass auchgerechnet in dieser Gegend, die seit Jahrzehnten vom Geld anderer Leute lebt, Parolen wie ‚Wir sind nicht das Sozialamt Euopas‘ oder ‚Geld fĂŒr Oma, nicht fĂŒr Sinti und Roma‘ als Parolen auf Plakaten zur Europawahl prangen.

Also Oranienbaum braucht noch etwas Zeit, wir fahren noch 7 Kilometer weiter auf dem bereits erwÀhnten R1 nach Ferropolis.

Ferropolis

Ferropolis (Stadt aus Eisen) ist ein Industriemuseum und eine Veranstaltungsarena fĂŒr 25 000 Leute. In einer stillgelegten Braunkohlenzeche bei GrĂ€fen-Hainichen hat man einige GroßgerĂ€te vor dem Schrottplatz bewahrt und zur Besichtigung freigegeben. Gigantische Schaufelradbagger und Absetzer sind um ein Y_förmiges Areal herum platziert. Sie bilden bei Konzerten und anderen Großveranstaltungen eine gigantische Kulisse und können in den ĂŒbrigen Zeiten von Besuchern bewundert und teilweise sogar bestiegen werden.

Nach dem Rundgang durch Ferropolis fahren wir zurĂŒck nach Oranienbaum und dann nach Wörlitz. Dort werden wir von den HĂŒhnern begrĂŒĂŸt, die nicht nur morgens rumlĂ€rmen. Wenn man es positiv sehen will/muss: ein gutes Zeichen, denn „Wenn der Hahn krĂ€ht auf dem Mist…..“. Naja und das tolle Wetter soll ja auf jeden Fall bleiben.

Wittenberg

Die Lutherstadt Wittenberg verbirgt bei unserem Besuch sich bzw. ihre SehenwĂŒrdigkeiten hinter BaugerĂŒsten und Abdeckplanen. Alles wird hĂŒbsch gemacht fĂŒr das 500-jĂ€hrige JubilĂ€um der Reformation im Jahr 2017.

Wir kamen mit dem Rad von Wörltitz nach Wittenberg. Es ging durch weite Elbauen, riesige WiesenflÀchen ohne Haus, Strommast oder Àhnlichem. Nur der Radweg, kein Autoverkehr, einfach herrlich.

In der Stadt finden wir viele alte HÀuser und auch alte GeschÀfte. Bei einigen scheint die Zeit seit 50 Jahren stehen geblieben zu sein. Endlich finde ich Filzpantoffeln mit Filzsohle.
Wir verlassen Wittenberg und folgen dem Elberadweg nach Coswig, teilweise geht es an der befahrenen Strasse entlang, teilweise wieder durch weite Elbwiesen.

Coswig

In Coswig, wo das prĂ€chtige Schloss so langsam verfĂ€llt, gibt es eine GierfĂ€hre: nur durch die Strömung angetrieben, bringt sie uns auf das andere Elbufer, wo das Hotel ‚Elbterassen Wörtlitze Winkel‚ Zimmer mit prĂ€chtigem Blick auf Coswig, den Fluss und das Geschehn an der FĂ€hre bietet. Leider ist kein Zimmer frei, andernfalls wĂ€ren wir dort gerne am nĂ€chsten Tag eingezogen.

Auf der Coswiger Alle geht es durch die Elbwiesen zurĂŒck nach Wörlitz. Über sechs Kilomenter sind es vom Elbufer bis zu dem Deich, der Wörtlitz und die Parkanlagen vor Hochwasser schĂŒtzen soll. Unvorstellbar, dass diese riesige FlĂ€che komplett unter Wasser stehen kann.

Waren/MĂŒritz

Zum Schluss unserer FrĂŒhjahrsreise sollte es nach Wismar an die Ostsee gehen, doch wir Ă€ndern unsere PlĂ€ne kurzfristig, da es zu viele Staus in Richtung Norden gibt. So landen wir dann man wieder in Waren an der MĂŒritz. Der Campingplatz Ecktannen ist eine gute Ausgangspunkt fĂŒr Touren in den MĂŒritz-Nationalpark.

Mit dem Wetter haben wir immer noch GlĂŒck: wĂ€hrend große Teile von Europa kalt und regnerisch ist, haben wir strahlendes Sonnenwetter, allerdings bei deutlich kĂŒhleren Temperaturen, als bisher.

Mit dem Rad fahren wir den ganzen Tag durch den Nationalpark, sehen Kraniche, keine Adler und sehr viel schöne Landschaft. Zum Schluss bummeln wir noch in Waren/MĂŒritz, das nach unserem letzten Besuch vor ca. 20 Jahren nicht wieder erkennen.