Frühjahrsreise nach Südtirol 🚙🇮🇪

Frühjahrsurlaub machen? Nachts fast überall Minusgrade, Neuschnee im Allgäu… ‚Überetsch‘ heißt die Lösung, ein kleines Gebiet in Südtirol, südlich von Meran gelegen und durch einen Höhenrücken von der Etsch und der Brennerautobahn getrennt. Am Mittwoch nach Ostern geht’s über die traumhaft leere A7 nach Süden. Das Allgäu ist frisch gezuckert. Strahlender Sonne.

Also weiter über den Fernpass aufs Mieminger Plateau: Hotel Stern in Obststeig hat immer etwas zu Essen für Durchreisende. Nur kleine Karte aber leckere Schlutzkrapfen, dann weiter zum Brenner. Immer noch kein Verkehr.

Um 19:00 Uhr landen wir in unserer Herberge. In Oberplanitzing haben wir ein Zimmer im Strengherrenhof gemietet: ein 400 jahrer alter, befestigeter Gutshof mitten im Weinberg. Es ist jetzt 00:17 Uhr und draußen sind 17 Grad!  Geht doch!

Am nächsten Tag setzen wir uns aufs Rad, um bei herrlichem Wetter die Gegend zu erkunden. Sorgenvoll registrieren wir, das es auf dem Weg nach Kaltern ständig bergab geht.  Das Städtchen liegt übrigens nicht an dem bekannten See, der dem Wein hier den Namen gibt. Zum See geht es noch ein paar Kilometer weiter bergabwärts.

Die Wege sind alphaltiert und schmal und führen ständig durch Wein- oder Apfelplantagen. Es ist nicht viel los: Nebensaison. Dennoch tummelt sich einige Urlauber auf den Wegen. Der Campingplatz am See sagt uns nicht zu: dicht nebeneinander stehen die großen Wohnmobile ohne trennende Hecken oder dergleichen. Keine Alternative zu unserem Ansitz!

Der Rückweg führt auf der anderen Seite der Ebene wieder über Wein und Apfelwege, nur dass es jetzt ständig bergauf geht, bzw. bergauf/bergab, denn es gilt einige Höhenrücken zu überwinden, die wir ungeschickt allesamt in unsere Route eingebaut haben.

Irgendwann sind wir dann wieder auf unserem Ansitz: unsere als gemütliche Kennenlernrunde geplanter Ausflug geriet mal wieder zu einer ausgiebigen Radtour.

Zum Abendessen kehren wir im ‚Speckkeller‘ ein, eine Weinstube im Gewölbe mit redseligem Wirt. Der Wein kommt gleich als Flasche auf den Tisch, gezahlt wird was getrunken wird. Zum Essen gibt es Knödel-Tris.

Montiggler Seen

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts im Überetsch lassen wir die Räder stehen und wandern quer durch die Ebene zu den Montiggler Seen. Natürlich geht es zunächst wieder bergab und dann auf der gegenüberliegenden Seiten durch den Wald zu den Seen. Die Wege sind gut und trocken. Schnee hat es hier den ganzen Winter nicht gegeben. Das Wetter ist schön, aber dies ist noch nicht lange so. Noch an Ostern soll es hier sehr ungemütlich gewesen sein.

Auf dem Rückweg kommen wir wieder durch Kaltern, wo wir auf dem Markt eine Pause machen und die anderen Leute beobachten.

Höhenweg

Schloß ?? in Kaltern

Am dritten Tag unserer Frühjahrsreise wollen wir es etwas ruhiger angeghen lassen und gehen den Höhenweg in Richtung Kaltern. Die steile Bergbahn zum Mendelpass macht grade Mittagspause, wir nehmen den Citybus nach Kaltern und gehen später über den Weinweg nach Oberplanitzing zurück.

Zum Abendessen gehen wir wieder in den Tannhof, der besondere Gäste hat: zwei rivalisierende American Football Teams aus Mailand und aus Meran die am morgigen Sonntag ein Spiel austragen werden. In unserem Ansitz bekommen wir davon nichts mit.

Über den Mendelpass zu ‚Christel im Loch‘

Kaltern vom Mendelpass

Am heutigen Sonntag treffen sich Motorradfahrer im beschaulichen Oberplanitzing. Es soll eine Segnung geben und Rockmusik. Kurzerhand hat man die einzige Durchgangstraße durch den Ort gesperrt. Harley-Davidsons, Oldtimer und Oldtimerinnen. Auf einem Parkplatz direkt vor unserem Ansitz halten die Footballer der Mailand Seamen ihre Taktikschulung ab.

Wir nehmen das Auto und kurven zum Mendelpass hinauf, eine teilweise spektakkuläre Straße mit tollen Blick. Insgesamt ist hier nur wenig Betrieb. Etliche Radfahrer haben sich bei der Bergpassage ausgetobt. Etwas abgelegen finden wir das Skigebiet Roman. Auf der Piste liegt noch Schnee, aber der Liftbetrieb ist eingestellt.

Gleitschirm am Mendelpass

Wir fahren auf der anderen Seite talwärts. Hier sind wir jetzt im ‚richtigen‘ Italien. Wir fahren durch eine schöne hügelige Gegend, die ans Allgäu erinnert. In der Ferne sieht man das Ortlermassiv. Wir möchten mit dem Roen einen weiteren Berg (per Auto) erklimmen, aber die Straße ist leider gesperrt.

Apfelblüte bei Tramin

Über Mezzolombardo geht es zurück ins Überetsch. In Tramin blüht es bereits in den Apfelplantagen.In Am Kalterer See und in Kaltern herrscht nur Ausflugsbetrieb. Der erste Frühlingssonntag hat viele angelockt.

Wir fahren zur Jausenstation „Christel im Loch“, die wir auf unserer Radtour entdeckt haben. Es gibt eine monströse Jause, am Nachbartisch feiern Italiener „Premiera Communione“.

In Oberplanitzing sind immer noch die Motorrad-Oldies zugange. Warmes Essen fällt heute aus: wir machen Vesper im Zimmer und gucken Handball Championsleague im Internet. Der THW Kiel verliert mit zwei Toren bei Pick Szeged.

Nach Algund

Im zweiten Teil unserer Frühjahrsreise wollen wir dann doch wieder Camper sein, wir fahren in die Gegend um Meran. Unser Ziel ist Lana, doch das gefällt uns überhaupt nicht.  Es ist uns viel zu städtisch, der Campingplatz liegt mitten im Industriegebiet. In Algund gefällt es uns dann besser. Den Campingplatz ‚Via Claudio Augusta‘ kennen wir bereits . Hier standen wir schon mal zwei Stunden vor dem verschlossenen Tor, um dann nach der  Mittagspause zu erfahren, dass kein Platz frei ist.

Dieses Mal habe wir mehr Glück. Wir bekommen eine Platz am Ententeich zwischen anderen Bussen aus Norddeutschland und freiem Blick auf ein tolles Bergpanorama. Weniger Glück haben wir beim Abendessen. Wir finden eine Art Pizzeria.  Es ist nicht sehr gemütlich, aber das Essen ist OK.

Algunder Waalweg

Direkt hinter dem Campingplatz Via Claudia Augusta führt der Radweg an der Etsch entlang. Zum Frühstück radle ich in sieben Kehren eine Rampe in den Vintschgau hinauf.  Oben wird es flach, im ersten Dorf kehre ich um.

Heute steht die Bewanderung auf dem Algunder Waalweg auf dem Programm. Nach dem Frühstück geht es auf der gleiche Strecke wie zuvor bis zum Ende der Steigung, dann auf den Waalweg. Waale sind Bewässerungskanäle auf denen frisches Bergwasser durch die Apfelplantagen geleitet wird. Die Waalwege führen an diesen Kanälen entlang.

Das Wetter ist herrlich, 25 Grad sind vorhergesagt, die Apfelplantagen sind in voller Blüte. Der Weg ist eben und bietet tolle Ausblicke ins Meraner Land. Unterhalb von Dorf Tirol geht es nach einer kurzen Passage auf der Straße zur Tappeiner Passage, ein gepflegter Weg der als botanischer Garten ausgebaut ist und der bis in die Meraner Innenstadt führt.

Hitze! Die Sonne brennt!  Im Café Schlehdorf machen wir Pause bei Marillenknödeln und Hirtenmakaroni, dann geht es weiter nach Meran. Dort kaufen wir – wie immer – getrocknete Tomaten, finden keinen Bus nach Algund und machen uns zu Fuß auf den Rückweg.
Das Abendessen im Römerhof ist kein schönes Erlebnis. Das Essen ist ok, der Service miserabel. Egal!