Zum Fernsehen in die Bretagne? đŸš™đŸ‡«đŸ‡·đŸ“·

Am 4. Juli starten wir nach Frankreich. Frisch verrentet nutzen wir die neue Freiheit und reisen vor der großen Urlaubswelle in die Bretagne. Nach Familienfeierlichkeiten in Nordhessen geht es bei dichtem Verkehr durchs belgisch-französische Industriegebiet Richtung Westen.

Die erste Etappe endet in Boiry-Notre-Dame, einem Dorf in der französischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, die diesen Namen erst seit 2016 trĂ€gt. Ruhm erntete diese Region durch den Film Bienvenue chez les Ch’tis , der mit  20 Millionen Kinobesuchern der erfolgreichste französische Film in Frankreich ist und der versucht, negativen Vorurteilen gegenĂŒber dem Norden Frankreichs entgegenzuwirken, möglicherweise aber das Gegenteil bewirkt.

Damit ist auch schon das Wichtigste gesagt. FĂŒr uns ist entscheidend: der Campingplatz La Paille Haute ist fĂŒr die Durchreise prima geeignet und bietet sogar ein Restaurant.

In die Bretagne

Bei Nieselregen geht es weiter in Richtung Bretagne. Entspanntes Fahren bei wenig Verkehr, aber die Strecke zieht sich. Als Ziel haben wir uns die CĂŽte Granit RosĂ© vorgenommen, ein KĂŒstenabschnitt mit gewaltigen Felsen (rosa!) im Norden der Bretagne.

Nach langer Fahrt erreichen wir Saint-Quay-Portrieux und richten uns auf dem Campingplatz Belle Vue ein. Der Platz liegt auf der FelskĂŒste ĂŒber dem Meer, die Sonne scheint und es geht ein kĂŒhler Wind. Es ist wenig los hier und so ist ein windgeschĂŒtzer Platz mit Blick aufs Meer bald gefunden. Ein ĂŒberall empfangbares, kostenloses WLAN komplettiert das GlĂŒck.

Campingplatz Belle Vue

Saint Quay Portrieux

Eigentlich wollten wir zu dieser Zeit in Amsterdam sein und die Europameisterschaften der Leichtathleten besuchen. Aber die unsichere Wetterlage, ein Stadion mit wenig Überdachung und hohe Eintrittspreise hielten uns davon ab.

Um dennoch nicht auf unseren Sport zu verzichten, hatten wir eine Satellitenantenne und einen FernsehempfĂ€nger fĂŒr den Laptop eingepackt. Unser Plan war, einen schönen Platz zu finden und dort in aller Ruhe 5 Tage lang Leichtathletik zu gucken, bevor dann die Erkundung der CĂŽte Granit RosĂ© starten sollte.

Den Platz hatten wir jetzt, nur mit dem Fernsehempfang wollte es nicht so richtig klappen. Nach ein paar Stunden Fluchen, Justieren und Einstellen war es endlich soweit. WIr machten es uns bequem und schauten abwechselnd auf den Bildschirm und auf das Meer vor unserer Nase.

So verbringen wir die ersten fĂŒnf Tage. Wenn die Leichtathletik Pause hat, wandern wir auf dem Zöllnerpfad in nach Saint-Quay-Portrieux, gehen spazieren oder machen Besorgungen. Es herscht tolles Sonnenwetter, aber immer geht auch ein kĂŒhler Wind.

Den etwas weiteren Weg zum Hafen von Saint-Quay-Portrieux brechen wir ab. Es ist sehr heiß, der Weg geht auf und ab und zwischen den hohen Hecken regt sich kein LĂŒftchen. Wir verzichten auf den Hafen und kehren zu unserem schattigen PlĂ€tzchen zurĂŒck.

Ein anderes Mal gehen wir den Zöllnerpfad in nördlicher Richtung und kommen in eine kleine Bucht. Dort, direkt am Wasser liegt Les Viviers de Saint Marc ein Handels und Zuchtbetrieb fĂŒr Fische und MeeresfrĂŒchte mit angeschlossenem urigen Restaurant.

Eine Besonderheit lernen wir auf dem Platz Belle Vue noch kennen: Essenversogung per Lieferwagen (man könnte auch ‚Foodtruck‘ sagen). Abends kommt ein Wagen auf den Platz und bietet etwas zu Essen an. Jeden Tag ein anderer: einmal Pizza, einmal CrĂȘpes und Gallettes, ein anders Mal Dinge, die wir nicht kannten (und auch nicht trauten zu probieren) . Es sind die selben Wagen die sonst auch auf den MĂ€rkten stehen. Wir finden, das ist eine feine Alternative, wenn der Platz nicht ein eigenes Restaurant betreiben will.

Aber wir kochen ja auch selber sehr gerne und auf dem Markt von Saint-Quay-Portrieux  finden wir leckeres GemĂŒse, Fisch, Fleisch und bretonischen Kuchen

Direkt vor unserer Nase liegt die  Îsle Harbour, deren Anblick sich durch Licht, Schatten, Sonnenstand, Ebbe, Flut stĂ€ndig Ă€ndert. FĂŒnf Tage lang konnten wir das beobachten. Einige der Fotos hier:

Am Abend unseres letzten Tages verliert Frankreich das EM Finale im Fußball gegen Portugal. Die ĂŒberwiegend französischen CampinggĂ€ste nehmen das gelassen zur Kenntnis. Vieleicht weil es Bretonen sind und keine Franzosen.