FrĂŒhjahrsfahrt nach Holland đŸš™đŸ“·đŸ‡łđŸ‡±

Die erste Reise 2018 fĂŒhrt uns nach Holland. Wir haben einige Museen auf dem Zettel, darunter endlich auch das Van Gogh Museum in Amsterdam und natĂŒrlich soll es auch nach Den Haag zur Tochter gehen.

Montag, 23.4.

Über Nordhessen geht es zum Nationalpark Hoge Veluwe. Obwohl die Fahrt mitten durchs Ruhrgebiet fĂŒhrt, geht es gut voran, kaum Verkehr, keine Staus, ganz im Gegensatz zum Norden.

Der Nationalpark Hoge Veluwe  ist ein großes Areal mit WĂ€ldern, Heidelandschaften und SandflĂ€chen. Mittendrin das Kröller-MĂŒller Museum mit der grĂ¶ĂŸten Privatsammlung von Van Gogh GemĂ€lden und einem großen Skulpturengarten. Ebenfalls im Park gelegen: der Naturcamping  Hoge Veluwe bei Hoenderloo. ‚Naturcamping‘ klingt zuerst abschreckend, ist es aber nicht: kein Donnerbalken, dafĂŒr tadellose SanitĂ€ranlagen und superschneller WLAN.

Im nahegelegenen Ort finden wir einen Supermarkt und nehmen einen Kaffee beim BĂ€cker. Dann erkunden wir den Park. DafĂŒr nutzen wir die ‚Witte Fietsen‘: kostenlose nutzbare FahrrĂ€der, die an allen Punkten des Parks stehen. Kein Licht, keine Schaltung, RĂŒcktrittbremse, Kindersitz. Man kann die RĂ€der einfach nehmen, nutzen und danach ĂŒberall stehen lassen.#

Erfreulicherweise eigenen sich ‚Witte Fietsen‘ auch gut fĂŒr frisch operierte KarpaltunnelsyndromhĂ€nde. Die dem hollĂ€ndischen Omafiets nachempfundene Rahmengeometrie sorgt fĂŒr einen aufrechten, leicht nach hinten gelehnten Sitz mit minimaler Last auf den HĂ€nden.

So steht dem Genußradeln auf den asphaltierten Wegen durch Wald und Heide nichts im Wege. Durch frisches BuchengrĂŒn geht es zunĂ€chst zum Jagdschloß Hubertus, welches sich die Eheleute Kröller-MĂŒller vom Großmeister Hendrik Petrus Berlage errichten liessen. Wie alle Berlagebauten wirkt es etwas streng, fast wie eine Festung. Der unproportional hohe Turm wurde gegen den Willen des Architekten auf Wunsch der Bauherren realisiert. Die Aussicht sei toll, kann man lesen. Ausprobieren können wir es  nicht: montags geschlossen.

Weiter geht es durch eine steppenartiges Gebiet. Sogar der hier mit einem Denkmal geehrte SĂŒdafrikageneral de Wet fĂŒhlt sich bei einem Besuch an Afrika erinnert. Dann werfen wir einen ersten Blick aufs Kröller-MĂŒller Museum: auch dieser Bau sieht eher aus, wie eine Kaserne. Entworfen wurde er aber nicht von Berlage, sondern vom nicht weniger renommierten Belgier Henry van der Velde.

Im Auto gibt es Fertignudeln aus dem Supermarkt. Die Nacht ist kalt , es regnet.

Dienstag, 24.4.

Am zweiten Tag in Hoge Veluwe widmen wir uns der Kunst. Das Wetter ist kalt, aber trocken. Mit dem ‚Witte Fiets‘ radeln wir zum Museum. Das Kröller-MĂŒller Museum ist eine bedeutende private Kunstsammlung und die zweitgrĂ¶ĂŸte van Gogh-Sammlung der Welt. Angegliedert ist ein großer Skulpturengarten – einer der grĂ¶ĂŸten Europas. Mit derartigen Superlativen muss man in den Niederlanden allerdings vorsichtig sein: die Niederlande sind die vermutlich grĂ¶ĂŸte Superlativsammlung der Welt.

Der Kunstgenuss wird etwas getrĂŒbt durch die zahlreichen Schulklassen, die mit mehr oder weniger Interesse und umso grĂ¶ĂŸerer LautstĂ€rke durch die SĂ€le schwirren. Nachdem wir die schöne Sammlung gesehen haben, wollen wir eine Mittagspause machen, doch das Restaurant ist ĂŒberfĂŒllt. Scharen asiatischer Besucher stehen in der Schlange an der Essensausgabe. Nun bewĂ€hrt sich schon wieder unsere Museumkaart, die und freien und beliebig hĂ€ufigen Eintritt ermöglicht: wir verlassen das Museum und kehren im Restaurant des nahegelegenen Besucherzentrums von Hoge Veluwe ein.

GestĂ€rkt gehen wir den zweiten Teil an und wandern durch den Skulpturengarten. Der Garten ist wirklich groß, manche Exponate muß man regelrecht suchen. ‚Kiek Uit Attention‘ hingegen ist kaum zu ĂŒbersehen: es ist eine Treppe, die schnurgerade auf einen kleinen Berg hinauffĂŒhrt und eine schöne Aussicht verspricht. Leider ist der Zugang aus SicherheitsgrĂŒnden gesperrt: der KĂŒnstler hat keine GelĂ€nder vorgesehen.

Auf dem Weg zum Campingplatz kommen wir an einem Wildbeobachtungspunkt vorbei, wo wir tatsĂ€chlich eine grössere Rotte Wildschweine zu Gesicht bekommen. Am Abend nach der DĂ€mmerung kehren wir noch einmal zurĂŒck und fangen uns sofort den Anschiss eines Rangers ein: nach acht Uhr sei der Park geschlossen. Das bedeutet fĂŒr uns, die wir ja im Park ĂŒbernachten, daß wir den Campingplatz nicht verlassen dĂŒrfen.

Nach Anschissen wegen Rucksacktragens und Kunstanfassens ist dies der dritte Verweis, den wir uns an diesem Tag einfangen.

Mittwoch, 25.4.

Heute geht es an die Nordsee: wir wollen Tulpenfelder sehen. Es ist jetzt genau die richtige Zeit dafĂŒr. Wir parken in Nordwijkerhout direkt hinter den DĂŒnen und nehmen unsere FahrrĂ€der. Es dauert nicht lange bis wir die ersten Felder sehen. Auf Radwegen geht es in Richtung Lisse, ĂŒberall Tulpenfelder: rote, gelbe, rosafarbige, rot-gelbe. Wir können uns nicht sattsehen. Im Golfclub gibt es Kaffee und Apfelkuchen. In Lisse schauen wir uns den Trubel am Eingang zum Keukenhof an und machen uns auf den RĂŒckweg.

Mit dem Auto geht es weiter nach Haarlem, nicht ohne weitere Stopps, um Tulpenfelder zu fotografieren. Wir landen auf dem Campingplatz de Liede am Stadtrand. Das stellt sich als gute Wahl heraus, denn in der NĂ€he gibt es einen Bahnhof, von dem aus man mit dem Zug nach Amsterdam fahren kann.

Es ist kalt und windig.

Donnerstag, 26.4.

Von unserem Übernachtungsplatz in Haarlem gehen wir zum Bahnhof und fahren mit der Bahn nach Amsterdam. Die Fahrt dauert 15 Minuten, der Zug ist proppenvoll und wir sind froh, einen Stehplatz zu bekommen.

Beim Aussteigen herrscht schon auf dem Bahnsteig ein tierisches GedrĂ€nge, welches sich auf dem Bahnhofsvorplatz und in der Innenstadt fortsetzt. Touristen, GeschĂ€ftsleute, Schulklassen, Radfahrer: ein riesiges GewĂŒhl. Zu Fuß gehen wir zum Museumsplein. Wir hatten gehofft, durch diesen Gang etwas von der Stadt zu sehen, aber durch die FĂŒlle und den heftige Gegenwind bleibt das VergnĂŒgen aus. Als wir am Museumsplein ankommen, ist schon ein erheblicher Teil unsere Energie verbraucht. Der Platz prĂ€sentiert sich dann aber als Oase der Ruhe. Die riesige RasenflĂ€che und die drei großen Museen bilden ein großartiges Arrangement.

Wir haben uns ausschließlich das Van Gogh Museum vorgenommen, auch hier ist es sehr voll. Viele Reisegruppen, allesamt mit Audioguides ausgestattet, bevölkern die SĂ€le. Man muss sich regelrecht anstellen, um die Bilder zu betrachten, aber es ist ok. Wenigstens herrscht hier nicht so ein Geschnatter, wie bei unserem Besuch im Kr öller-MĂŒller Museum. Einige der prominenten GemĂ€lde suchen wir zunĂ€chst vergeblich. SpĂ€ter finden wir sie dann in der Ausstellung ‚Van Gogh und Japan‘, in der dem Einfluß japanischer Kunst auf van Gogh nachgegangen wird.

UrsprĂŒnglich wollten wir zumindest auch einen Blick in die Bibliothek und die Ehrengalerie des Rijksmuseums werfen, aber nun fehlt uns die Energie und wir belassen es bei einem kurzen Blick ins Foyer. Der RĂŒckweg zum Bahnhof gestaltet sich Ă€hnlich, wie der Hinweg, lediglich der störende Gegenwind fehlt. Aber die Straßen sind immer noch proppenvoll. Immerhin ergattern wie fĂŒr die RĂŒckfahrt einen Sitzplatz im Zug.

Nachdem wir uns auf dem Campingplatz etwas von den Strapazen der Großstadt erholt haben, fahren wir mit den RĂ€dern in die Innenstadt von Haarlem. Vom vermutlich hĂŒbschen Marktplatz ist wenig zu sehen, weil Jahrmarktsbuden und ein Riesenrad den Blick versperren. Ganz Holland rĂŒstet sich fĂŒr den morgigen Koningsdag (Königsgeburtstag) und den in der kommenden Woche folgenden Freiheitstag.

Nach etwas Shopping finden wir in einer Pizzabar einen Platz an der Theke und lassen den Tag ausklingen.

Freitag, 27.4.

Von Haarlem geht es nach Den Haag. In Hillegom sorgen erneut Tulpenfelder fĂŒr einen Stop, wir können einfach nicht genug bekommen.

In Den Haag wollen wir auf dem Weg zum  Campingplatz de Roompot in Kijkduin unsere Ortkenntnis nutzen und das Stadtzentrum meiden, doch eine kleine Baustelle und die deswegen eingerichtet, gigantische Umleitung fĂŒhrt uns in großem Bogen mitten durch die Innenstadt.

Es ist kalt und sonnig. Nachdem wir unseren Platz eingerichtet haben, gehen wir an den Strand. Wir besuchen ‚Hemels Gewelf‘, ein Landschaftskunstwerk von James Terrell und gehen dann in eine Strandbar. Danach radeln wir in die Stadt und probieren den Italiener La Famiglia aus.

Samstag, 28.4.

Mit dem Auto fahren wir von Kijkduin zu unserer Tochter. Dort laden wir diverse ÜberlebensgĂŒter aus – u.A. 25 kg Malz?. Dann geht es zu Fuß zum Gemeentemuseum, wo wir die Max Lieberman Ausstellung „Een Zomers Impressionist“ besuchen. Der Deutsche Maler hat viel Zeit an der hollĂ€ndischen NordseekĂŒste verbracht.

Nach dem Ausstellungsbesuch gehen wir nach Scheveningen in den Fischhafen und kaufen unser Abendbrot ein. Danach geht es mit der Tram nach Hause. Wir haben kaltes Schauerwetter.

Sonntag, 29.4.

Wir fahren direkt vom Campingplatz aus zur Autobahn. In der Provinz Flevoland nördlich von Amsterdam reichen riesige Tulpenfelder bis an die Straße. Die Fahrt verlĂ€uft problemlos. Rechtzeitig zum Campionsleague-Viertelfinale zwischen dem THW Kiel und V. adar Skopje sind wir zu Hause.