Bad Karlshafen und Johann Bessler

Foto von Gabor R. – Own work, CC BY-SA 3.0, Link

Am 21.07.2018 erschien in der Online Ausgabe der FAZ der Artikel ‚Die Zeit der SchwĂ€ne ist vorbei‘. Es geht dabei um die Rekonstruktion des Weserhafens von Bad Karlshafen. Mit dem Bau einer BrĂŒcke und einer Schleuse soll die Verbindung des stillgelegten historischen Hafens mit der Weser wieder herstellt werden. Ein umstrittenes Bauprojekt, welches ein wenig an das Kieler Projekt ‚Holstenfleet‘ erinnert.  

Besonders interessierte mich der Hinweis, dass Johann Bessler, der sich auch Orffyreus nannte, in Karlshafen lebte und in der NĂ€he verstarb. Bessler behauptete, ewig drehende RĂ€der, also Perpetuum Mobiles konstruiert zu haben. Aus diesem Grund hatte ihn der technikbegeisterte Landgraf Carl nach Kassel geholt.Obwohl ich in Kassel aufgewachsen bin, hatte ich bis zum Anfang dieses Jahres nie von Bessler gehört. Als sich das vor einigen Monaten Ă€nderte hatte einen kurzen Text dazu in diesem Blog verfasst. Nun lernte ich, dass Bessler nach seiner Kassler Zeit nach Karlshafen zog und den Rest seines Lebens in einem Haus verbrachte, welches ihm Landgraf Carl ihm zur VerfĂŒgung stellte. Die Stadt wiederum nutzt Bessler nun originell fĂŒr ihr Stadtmarketing.

Im MĂ€rz 2018 berichtete das Mitteilungsblatt Bad Karlshafen, dass bei den Bauarbeiten im Hafenbecken eine  Kiste zutage gefördert wurde, die Papierrollen mit einer Bauanleitung fĂŒr das Perpetuum mobile des Johannes Bessler enthielt. Gleichzeitig taucht im Internet ein Video auf (https://youtu.be/f2zZ7WOnA0o), welches im Stile eines ARD-Brennpunkts von dem Fund berichtet. Auch BĂŒrgermeister Marcus Dittrich kommt zu Wort und spricht von einer „Wende bei der Energieversorgung“. Sollten die Zeichnungen einen funktionsfĂ€higen Nachbau des „ewigen Rades“ erlauben, könne dieser „eine unendliche Energieerzeugung sicherstellen“.

Das Ganze ist natĂŒrlich ein Schwindel. Die Medienkampagne sollte auf das TheaterstĂŒckes „Perpetuum mobile – Eine Stadt im Rausch“ des Berliner Theaters Anu hinweisen, welches von der Stadt in Auftrag gegeben wurde und am 24. Mai Premiere feierte. Begleitend gibt es im Rathaus eine Ausstellung „Perpetuum mobile – Und es dreht sich doch“, in der auch ein hölzernes Modell des Besselerrades gezeigt wird.

Das TheaterstĂŒck gehört mit anderen Veranstaltungen zu den ‚Baustellenevents‘, mit denen die StadtvĂ€ter von Bad Karlshafen die bis 2019 andauernden Baumaßnahmen zur Hafenöffnung ertrĂ€glicher gestalten wollen.  Da passen die Geschichten um Johann Bessler gut ins Konzept.

Johann Bessler lebte von 1721 bis 1745 in einem Haus am Hafen. Dieser Hafen (Carls Hafen) war der Beginn einer kĂŒnstlichen Wasserstraße, die Carl ĂŒber Kassel nach Marburg bauen wollte, um eine Verbindung von der Weser ĂŒber die Lahn bis zum Rhein zu schaffen. Auf diese Weise sollt Hann. MĂŒnden umgangen werden, das durch Steuern den GĂŒtertransport ĂŒber Weser und Fulda nach Kassel verzögerte und verteuerte. Als Startpunkt fĂŒr den Kanal nutzte man den unteren Flusslauf der Diemel, die bei Karlshafen in die Weser mĂŒndet. Doch das 1710 begonnene Projekt blieb unvollendet, man kam lediglich bis ins 20 Kilometer entfernte HĂŒmme. Mit dem Tod des Landgrafen starb 1730 auch das Projekt. UngefĂ€hr 200 Jahre spĂ€ter wurde die Verbindung des Hafens mit der Weser im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße zugeschĂŒttet. 2016 fiel in einem BĂŒrgerentscheid der endgĂŒltige Beschluss, den Hafen wieder zu öffnen und dadurch die AttraktivitĂ€t Karlshafen fĂŒr den Tourismus zu erhöhen. Das mit den Baumaßnahmen verbundene Hickhack erinnert ein wenig an das Kieler Projekt „Holstenfleet“.

Ein Bezug zwischen Johann Bessler und Bad Karlshafen besteht auch ĂŒber die hollĂ€ndische Partnergemeinde ’sGravesande, deren Namensgeber, der niederlĂ€ndische Physikprofessor Willem Jacob ’sGravesande, das Besselerrad im Auftrag englischer Interessenten untersuchen sollte. Bessler starb 1747 bei einem Unfall in der NĂ€he von Karlshafen. Er hatte geplant, die Aufwinde am nahegelegenen FĂŒrstenberg durch ein sich horizontal drehendes FlĂŒgelrad zu nutzen. Das MĂŒhlrad setzte sich unkontrolliert in Bewegung und Besseler stĂŒrzte von der MĂŒhle.  

Weitere Details ĂŒber Johann Besseres Aufenthalt in Bad Karlshafen findet man auf der offiziellen Webseite der Stadt. Weiterhin möchte ich auf die umfangreiche Internetseite ‚besslerrad.de‘  hinweise, wo enorm viele Details ĂŒber Johann Bessler und sein Umfeld zusammengetragen wurden. Wem das immer noch nicht reicht, der findet dort weitere Links. Das hochinteressante Impressum enthĂ€lt u.A. den Hinweis, das die Seite  zum Ende des Jahres 2018 geschlossen werden soll.