Am Sonntag nach Giverny 🤦🏻‍♂️ 🌞🚙🇫🇷

Wir wollen nun doch auf dem Rückweg nach Deutschland in Giverny vorbeischauen. Claude Monet hat hier gelebt und nicht nur gemalt, sondern auch einen Garten angelegt und gestaltet. Der Gatten lieferte dann die Motive für Monets Blumen und Seerosenbilder. Auf Bildern und Youtubevideos haben wir gesehen, wie sich Menschenmassen durch den Garten wälzen. Mit Bussen kommen sie aus dem nur 100km entfernten Paris, Kreuzfahrtouristen aus Le Havre und Honfleur haben Giverny ebenfalls auf der ToDo-Liste. Daher sind wir sehr skeptisch, ob es eine gute Idee ist dorthin zu fahren. Aber neugierig sind wir auch.

Vielleicht stürzen sich die Massen ja hauptsächlich auf den Garten und wir können uns wenigstens auf das Musée Giverny Impressionismes ansehen… Wir nehmen uns vor auf dem Campingplatz ins benachbarte Vernon zu gehen und dann am Montag, möglichst früh nach Giverny zu fahren.

Als wir beim Campingplatz in Vernon ankommen, ist ‚natürlich‘ wieder Mittagspause in der Rezeption. Der Platz ist etwas abseits gelegen, der Weg in den Ort beschwerlich, aber für eine Nacht wird es gehen….

Wir sind gespannt, was in Giverny los ist, und weil wir ohnehin auf den Campingplatz warten müssen, fahren wir kurzerhand mal hin. Auf dem Weg deutet nichts auf eine Völkerwanderung, aber dann zeigen gut gefüllte Parkplätze, daß wir an einem Tourismusmagneten angekommen sind.

Eingereiht in eine frisch angekommene Reisegruppe trotten wir in Richtung Garten und Museum. Das erste Gebäude mit Menschenschlange kommt in Sicht… es ist nur das Toilettengebäude. Am Museum angekommen, bestätigt sich unsere Hoffnung, daß die Mehrzahl der Besucher sich nicht für die Bilder interessiert, sondern für den Garten. Wir entscheiden uns dafür, nun doch sofort ins Museum zu gehen.

Das Musée Giverny Impressionismes zeigt wechselnde Ausstellungen zum Thema Monet und Impressionismus, über eine große Sammlung verfügt es gar nicht. Die meisten Bilder von Monet hängen in Paris und anderen Teilen der Welt, die größte Sammlung haben wir uns im Musée Marmotan ja vor zwei Wochen angesehen.

Aktuell wird die Ausstellung ‚Monet-Aubertin‘ gezeigt, eine vergleichende Gegenüberstellung von Landschaftsbildern der beiden Maler Claude Monet und Jean Franzis Aubertin. So interessant diese kunsthistorische Fragestellung sein mag, uns interessieren in erster Linie die Monetbilder und die dargestellten Landschaften. Dem Meister ging es aber nicht so sehr um die dargestellten Motive, sondern um den Eindruck (‚Impression‘), den sie in einer bestimmten Situation hinterlassen und den Lichteffekt, den dies Situation (morgens, mittags, Sonnenauf/-untergang…) bewirken. Die Ausstellung zeigt Landschaftsbilder aus Porquerolles, der Belle Îsle und der normannischen Küste, wir sind zufrieden mit dem Besuch, er hat sich gelohnt. Hier ein paar Bilder und Texte die das Museum auf seinem Instagram-Profil veröffentlicht hat.

Wir finden ein nett gemachtes Gartenlokal mit hohen Preisen und gehen weiter zum Haus des Künstlers. Hier zeigt sich nun, daß unsere Befürchtungen gerechtfertigt sind: eine lange Menschenschlage weist darauf hin, daß es wirklich keine gute Idee ist, den Garten zu besuchen. An der Rückseite versuchen wir, einen Blick zu erhaschen, und sehen, wie durch einen Hintereingang die nächste Ladung Kreuzfahrer eingeschleust wird.

Wir haben genug gesehen und erwägen kurz, es am morgigen Montag erneut zu versuchen. Wir verwerfen das aber nicht zuletzt wegen des wenig attraktiven Campingplatzes. Da es noch früh am Tag ist, könnten wir auch weiterfahren und auf diese Weise Paris am vergleichsweise verkehrsarmen Sonntagnachmittag zu umfahren.

Wir entscheiden uns für Paris und fahren los. Doch unser Navi und das Fehlen einer guten Karte (eigentlich wollten wir ja nach Bayern) erweist sich erneut als Problem: Wir fahren im Kreis, werden über abenteuerliche Wege gelotst und verplempern Zeit bei endlosen Stadtdurchquerungen. Wir hatten gehofft, bis nach Metz zu kommen, doch daraus wird nichts. Gegen 20:00 Uhr sind wir froh, in Sainte Menehould in der Champagne einen Campingplatz zu finden, dessen Rezeption noch geöffnet hat, checken ein und radeln schnurstracks in den Ort, um etwas zum Essen zu bekommen.

Der Restaurantbesuch steigerte unsere Laune: es gibt Champagner zum Aperitif und „Salate“, die sich als gewaltige Mischung aus gebratenen Kartoffeln, pochierten Eiern, Rohkost und Enten bzw. Hühnerfleisch erwiesen.

Im Auto ist es sehr warm, wir schlafen schlecht.