Otto und die Expressionisten🌦🚙

Wir fahren nach Emden. In der dortigen Kunsthalle gibt es etwas Besonderes zu sehen: eine Ausstellung der Sammlung Ziegler. Diese normalerweise in Mülheim/Ruhr ansässige bedeutende Sammlung deutscher Expressionisten ist auf Reisen, denn das Mühlheimer Museum wird renoviert, Da ist die Emder Kunsthalle eine gute Adresse, denn sie beherbergt mit der Sammlung Henry Nannens ebenfalls eine bedeutende Privatsammlung.

Außer den Expressionisten zeigt die Kunsthalle eine Ausstellung von Otto Waalkes, dem „anderen großen Ostfriesen neben Henry Nannen“ [Zitat Otto]. Wegen dieser Ausstellung wären wir wohl nicht nach Emden gefahren, aber so nehmen wir sie natürlich gerne mit.

Wieder haben wir eine angenehme Autofahrt, es ist sehr wenig los auf den Straßen. Allerdings hat sich das Wetter geändert. Kräftige Regenschauer bremsen uns hin und wieder.

Holländische Spezialität: eine Klappbrücke auf der mehrspurigen Schnellsteaße

Der Versuch auf einem Campingplatz am Großen Meer unterzukommen scheitert am miesen Service dieser Einrichtung: trotz Hochsaison erlaubt man sich, die Rezeption mittags für zwei Stunden zu schließen. Unverrichteter Dinge fahren wir direkt nach Emden und parken in der Stadt.

„Bei Otto müssen Sie lesen, für die Expressionisten gibt es einen kostenlosen Audioguide“, werden wir begrüßt. Wir beginnen mit Otto und dieser widerum  mit einem Aktionsraum für Kinder: „Ottos Zeichenschule“ bringt uns auf sieben gezeichneten Postern schon Mal zum Lachen. Auch was dann kommt, gefällt uns deutlich besser, als befürchtet. Der künstlerisch gebildete Komiker hat  Gemälde bekannter Künstler, von da Vinci und Vermeer bis Keith Haring und Banksy nachgemalt und mit Otto-typischen Details modifiziert. Oft originell und lustig und gar nicht so klamaukig, wie man befürchten könnte.

Die Expressionistenaustellung „Marc, Macke, Nokde“ gefällt uns sehr gut. Die ohnehin schon stattliche Ziegler-Sammlung mit Werken von Emil Nolde, Ernst Heckel, Franz Marc, August Macke, Lyonel Feininger u.a.., wurde mit entsprechenden Werken aus der Sammlung Henry Nannens sogar noch ergänzt. Auch der aus Niendorf bei Bad Segeberg stammende Christian Rohlfs ist mit etlichen Bildern in der illustren Reihe vertreten,

Die aktuelle Diskussion um Emil Nolde, der die Nähe der Nazis suchte und nach dem dem Krieg aber als Naziopfer inszenierte, hat auch Emden erreicht, Kein Wunder, bei der großen Anzahl prächtiger Noldescher Blumenbilder über die das Museum verfügt. Man bietet dem Publikum Zeitungsartikel zum Thema und fordert es zur Stellungnahme auf, zu einer eigenen Stellungnahme hat man sich aber nicht durchringen können.

Nach dem Museumsbesuch beschliessen wir beim Kaffee auf dem Marktplatz, schon heute nach Kiel zu fahren. Das Wetter und die Unterkunftsmöglichkeiten überzeugen uns nicht und die Chance, vor dem großen Rückreisewochenende entspannt nach Hause zu kommen, ist verlockend. Da muß der Pilsumer Leuchtturm, der auf fast allen Bildern von Otto vorkommt, halt auf unseren Besuch warten.